Hätten Sie die "Tigerfrau" auch in Ihrer serbischen Heimat schreiben können oder mussten Sie dafür an einem anderen Ort sein?
Ich glaube, es war notwendig, an einen anderen Ort zu gehen. Als Schriftsteller brauche ich immer etwas Abstand von einem Thema, bevor ich darüber schreiben kann, räumliche Distanz eingeschlossen. Die verschiedenen Orte, an denen ich gelebt habe, haben mich als Erzählerin und die Literatur, die ich gern lese, beeinflusst. Ich wäre nicht dieselbe Autorin, wenn ich (in Serbien) geblieben wäre.

Können Sie sich vorstellen, nach Belgrad zurückzuziehen?
In meinem Leben ging es immer so viel darum, an neue Orte zu kommen: eine Art Vorwärtsgang. Ich würde wahrscheinlich eher an einen total unbekannten Ort gehen, bevor ich zu etwas aus der Vergangenheit zurückkehre. Im Moment also: Nein. Ich weiß aber nicht, wie es sein wird, wenn ich älter bin.

Träumen Sie auf Englisch oder Serbisch?
Ich denke, auf Serbisch. Ich habe schon oft nachts, wenn ich aufgewacht bin, meinen Freund gefragt, wie spät es ist. Und er sagt: "Keine Ahnung, wovon du redest". Weil ich Serbisch gesprochen habe.

Mit Téa Obreht

sprach Caroline Bock

Téa Obreht: Die Tigerfrau. Rowohlt Verlag, Reinbek, 416 Seiten, 19,95 Euro.