Nicht schlecht beziehungsweise sogar richtig gut ist der BER zum Beispiel als Taktgeber für künstlerisches Schaffen. Während das Witzschaffen des gemeinen Volkes inzwischen in einer kleinen Kreativpause zu verharren scheint, weil die Pannenrealität selbst nach dem großen Crash des Witzereißens darüber immer irgendwie einen Schritt voraus zu sein scheint, feiert die professionelle Aneignung der BER-Pleite fröhliche Urständ. Nachdem das Berliner Kabarettisten-Duo Pigor & Eichhorn mit seinem BER-Chanson - "Mr. Wowereit, open this gate! / In den Brandenburger Sand / Setzen wir ganz entspannt / Den Airport Willy Brandt" - einen veritablen Hit auch außerhalb der Hauptstadt landete, haben inzwischen auch Literaten und Filmleute den Reiz des unvollendeten Bauwerks entdeckt. So hat der Schriftsteller Jan Bergrath einen Krimi geschrieben, in dem die wirtschaftsskandalöse Seite des Flughafenbaus eine Rolle spielt. Das hätte sich der für die Genehmigung der Ent rauchungsanlage zuständige Dezernent des Landkreises Dahme-Spreewald wohl auch nicht gedacht, dass er mit seinem Veto dereinst Spuren in der Belletristik hinterlassen würde. Und den hübschen Vorschlag: "Vielleicht hätten sie Schönefeld einfach Helmut Schmidt Flughafen nennen und als Raucherflughafen genehmigen sollen."

Dann wäre er allerdings nie als Kulisse für einen momentan entstehenden Kinofilm infrage gekommen. Der heißt "Schönefeld Boulevard" und dreht sich um eine junge Frau, die aus ihrem Kaff ausbrechen will. Die Analogie zum BER besteht darin, dass die Diskrepanz zwischen theoretischem Aufbruchswillen und praktischem Stillstand auch bei der Filmheldin groß ist. Drehbuchautorin und Regisseurin Sylke Enders, einst aufgewachsen im benachbarten Kleinmachnow, lässt ihre Protagonistin Cindy im Übrigen doch irgendwann Schönefeld hinter sich lassen. Es wäre sicher ein schöner PR-Coup für den Filmstart gewesen, wenn er zeitgleich mit der Eröffnung des BER stattfinden könnte. Leider soll der Film schon im nächsten Frühjahr in die Kinos kommen.