Ist in den letzten Jahren das Thema Deutsche als Opfer erst für die große Öffentlichkeit eröffnet worden?
Nicht unbedingt. Schon in den 80er-Jahren war das Thema mit Dokumentationen wie Flucht und Vertreibung im TV. Doch die damaligen Dokus waren schon von der Machart her eher langweilig. Moderne Geschichtsfilme gehen mehr unter die Haut.

Warum kommt das Opfer-Thema jetzt so massiv wieder?
Es ist die letzte Chance, solche Dokumentationen mit Zeitzeugen zu drehen. In zehn Jahren kann man Filme dieser Art nicht mehr machen. Die Augenzeugen sind dann in den meisten Fällen nicht mehr am Leben.

Ist „Dresden“ als Spielfilm geeignet, um Geschichte aufzuarbeiten?
Spielfilm und Dokumentation haben ihre Möglichkeiten und Stärken. Ein Spielfilm hat eher die Chance zur Emotionalisierung. Ich nenne das Titanic-Prinzip. In vielen Filmen wie auch in „Dresden“ steht eine Liebesgeschichte im Vordergrund. Das historische Geschehen ist der bewegende Background.

Auch die Dokumentationen haben sich verändert. Verschwimmen die Grenzen von Wissenschaft und Unterhaltung?
Nein, ich denke nicht. Die Erkenntnisse der Wissenschaft sind ja die Grundlage. Aber die Gestaltungsmöglichkeiten eines modernen Geschichtsfilms verlangen nach szenischen Ergänzungen. Gerade dadurch sind wir vom ZDF mit der Doku auf dem Weltmarkt in die erste Liga aufgestiegen. Früher kamen gute Dokumentationen vor allem von der BBC. Jetzt sind auch wir Global Players. Man muss natürlich beim Drehen gewisse Grenzen einhalten.

Welche sind das?
Ich würde zum Beispiel in einer Holocaust-Dokumentation nie das Innenleben eines Konzentrationslagers szenisch darstellen. Und zum Thema Dresden gilt ganz generell: Wer die Opfer der Bombenangriffe beklagt, darf von deutscher Schuld nicht schweigen.

Mit GUIDO KNOPP sprach Daniel Steiger.