Wann ist ein Film interessant für den Zuschauer? Eine rumänische Produktion kommt István Szabó in den Sinn. Ein "No-Budget-Film", wie er sagt. Die Kamera bewegt sich nicht, es gibt nur zwei Drehorte - eine Straße und eine kleine Studentenwohnung. Es ist ein Schwarz-Weiß-Film.

Er nennt dieses Beispiel, um deutlich zu machen, dass ein Filmbudget nicht über eine gute oder schlechte Geschichte entscheiden muss. "Ein Film ist deshalb interessant, weil er ein scharfes Bild über die Gesellschaft zeigt, emotional berührt und ein globales Problem aufgreift", sagt Szabó und vergleicht die Aufgabe des Regisseurs mit der eines Gastgebers. "Warum lädt man sich Zuschauer ins Kino ein? Wenn ich einen Menschen zum Essen einlade, gibt es etwas zu essen. Wenn ich nichts habe, werden die Gäste nicht wiederkommen", sagt der 77-Jährige.

Er musste beobachten, wie die neue Generation der Regisseure in mittel- und osteuropäischen Ländern nicht über politische und gesellschaftliche Themen sprechen wolle. "Sie wollen das von sich fernhalten. Das geht aber nicht."

Lange Zeit hätten besonders die ungarischen Filmemacher eine "Blumensprache" entwickelt, mit der sie alles erzählen konnten, was sie wollten. "Leider", sagt Szabó, "zum Glück gibt es aber auch gute Regisseure, die nicht nur darauf warten, Geld zu verdienen, sondern versuchen, etwas Gutes zu tun. Man muss nicht um jeden Preis einen Film machen." Sicherlich gehören dennoch Kompromisse zum Leben eines jeden Regisseurs dazu, weiß er aus Erfahrung. "Wenn man mit vielen kreativen Köpfen zusammenarbeitet, muss man Kompromisse zwischen den ganzen guten Ideen eingehen. Wenn ich das an einem Arbeitstag nicht mindestens 50 Mal gemacht habe, habe ich nicht gearbeitet."

Szabó erhielt 1982 einen Oscar für sein Polit-Drama "Mephisto", in dem sich ein sozialer Aufsteiger in den Fallstricken der Macht, der er dient, verfängt. Vier weitere seiner Regiearbeiten waren bisher für den Goldenen Academy Award nominiert. Das Gesamtwerk von István Szabó umfasst zahlreiche weitere internationale Koproduktionen, und er gilt als Mitschöpfer des in den 1960er-Jahren begründeten neuen ungarischen Films.

Über seine aktuellen filmischen Ideen möchte der studierte Theater- und Filmkünstler noch nicht sprechen, denn "dafür bin ich zu abergläubisch", hält es Szabó geheimnisvoll.