Nach all den Diskussionen über die Liebesgeschichte schwuler Cowboys im Film "Brokeback Mountain" musste sich der hoch favorisierte Regisseur Ang Lee mit drei Preisen für Regie, Musik und Drehbuch begnügen. Keinen Jubel gab es bei der großen deutschen Delegation in Hollywood. Sowohl Marc Rothemund mit "Sophie Scholl - Die letzten Tage" als auch Ulrike Grote mit dem Kurzfilm "Ausreißer" gingen leer aus.
"L.A. Crash", von der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences zur besten Produktion des Jahres gewählt, ist ein Ensemble-Film über alltäglichen Rassismus, Intoleranz und Gewalt in Los Angeles. An den Film gingen auch die Preise für das beste Originaldrehbuch und den Schnitt. "Keiner von uns hat das wirklich erwartet", sagte Regisseur und Autor Paul Haggis (52). "Das war doch eigentlich nur ein kleiner Film. Wir haben alle Regeln gebrochen und Hollywood hat das belohnt." Außer an "L.A. Crash" und "Brokeback Mountain" ging die magische Zahl von drei Oscars auch an "Die Geisha" (Kamera, Kos tüm und Ausstattung) und "King Kong" (Ton, Ton- und Spezial-Effekte).
Unter der Regie des Kanadiers Haggis (52) spielt in "L.A. Crash" ein Star-Ensemble mit Sandra Bullock, Matt Dillon, Brendan Fraser und Don Cheadle. In den deutschen Kinos ist der Überraschungssieger der Oscar-Nacht trotz hervorragender Kritiken mit nur rund 200 000 Besuchern allerdings untergegangen. Vielleicht hat er mit den Oscars mehr Erfolg, wenn er ab Donnerstag erneut in die deutschen Kinos kommt.
Als beste Hauptdarsteller wurden am Sonntagabend im Kodak Theatre in Hollywood Philip Seymour Hoffmann (38) für "Capote" und Reese Witherspoon (29) für "Walk The Line" ausgezeichnet. Über den Oscar als beste Nebendarstellerin freute sich die hoch schwangere Rachel Weisz ("Der ewige Gärtner"), die die Trophäe all jenen Menschen widmete, "die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen."
Superstar George Clooney, der als Nebendarsteller in "Syriana" und als Regisseur und Produzent von "Good Night, and Good Luck" gleich dreimal nominiert war, musste sich mit einer Auszeichnung für seine Leistung vor der Kamera begnügen. "Damit ist eigentlich klar, dass ich nicht bester Regisseur werde", meinte er gleich am Anfang der Gala lakonisch - und bedankte sich trotzdem stilvoll bei der Academy: "Hier in Los Angeles leben ziemlich viele abgehobene Leute", sagte er. Um so wichtiger sei es, dass über die Oscars Themen wie Aids oder Rassismus mit dieser Welt in Kontakt gebracht würden.
Mit großen Plüschpinguinen im Arm waren die französischen Macher des besten Dokumentarfilms "Die Reise der Pinguine" die Sympathieträger auf der Bühne. Hoch emotional bedankte sich Gavin Hood aus Südafrika, Regisseur des besten Auslandsfilms "Tsotsie", für die Auszeichnung und rief: "Viva Afrika!"
Moderator Jon Stewart, der zum ersten Mal durch die Oscar-Gala führte und sich glänzend bewährte, setzte als Gegenpol dazu auf bissige Satire. Lily Tomlin und Meryl Streep lieferten einen komödiantischen Höhepunkt mit ihrer absichtlich völlig verrutschten Rede auf Regisseur Robert Altman (81, "The Player", "Nashville"), der für sein Lebenswerk gewürdigt wurde.