Herr Othmer, können sich die Künstler zwischen lauter Schaulustigen überhaupt auf ihr Werk konzentrieren?
Doch, das geht problemlos. Das Miteinander ist sehr gut, und die Künstler schätzen den Dialog mit dem Publikum sehr. Wenn ein Zeichner sich gerade in sein Blatt vertieft und dafür ungestörte Ruhe braucht, merken die Gäste das und schauen dann schweigend zu. Umgekehrt müssen die Besucher aufpassen, dass sie keine Ladung Sägespäne abbekommen, wenn ein Bildhauer mit der Kettensäge zugange ist.

Warum haben Sie gerade Bildhauer und Karikaturisten eingeladen?
Diese Kombination hat beim Spreewaldatelier Tradition und ist in der Bundesrepublik einmalig. Der Zuschauer kann bei Skulpturen und Karikaturen relativ schnell Fortschritte und Ergebnisse sehen - anders als bei einem Landschaftsmaler, der wochenlang an einem Bild tüftelt. Als wir das erste Mal Karikaturisten einluden, ging es auch darum: Wie sehen die den Stadtumbau in Lübbenau? Für die Künstler, die ja normalerweise eher im stillen Kämmerlein arbeiten, war diese gemeinsame Arbeit unter freiem Himmel ein Gewöhnungsprozess, der schließlich gut funktioniert hat. In Zukunft wollen wir auch Musiker dabeihaben.

Lässt sich Kunst durch Zugucken besser verstehen?
Das ist noch etwas zu kurz gesprungen. Natürlich lernt man beim Zusehen, wie mühevoll der Arbeitsprozess ist. Aber das Wichtigste ist: Das Zusehen produziert Fragen und Diskussionen, und wer fragt, kriegt Antworten, die dann die Kunst verstehen helfen. Deshalb gibt es am Sonntag ab 19 Uhr die Aktion "Künstler stellen sich vor", moderiert von Rundschau-Chefredakteur Johannes M. Fischer.

Wieso heißt das Thema "Tanz ums Wasser"?
Wasser ist im Spreewald ein dominierendes Element, das gilt auch für das diesjährige Gastland, die Niederlande. Um die Künstler und vor allem die Karikaturisten anzuspornen, haben wir das Thema provokativ gefasst. Beim "Tanz ums Wasser" spielt Vergnügen eine Rolle, aber auch der kritische Gedanke vom Tanz um das Goldene Kalb. Ich denke da an Konflikte um die knappe und nicht zu unterschätzende Ressource Wasser.

Was ist, wenn es regnet?
Dann ist das Pech, aber das Spreewaldatelier findet genauso statt. Für die Künstler gibt es das Festzelt und kleine Pavillons zum Arbeiten. Bisher gab es noch nie Dauerregen. Wir rechnen mit septemberüblichem Wetter.

Am Abschlusstag werden die Arbeiten versteigert. Wie ist erfahrungsgemäß das Preisniveau?
Um ein möglichst breites Preisniveau zu haben, werden nicht nur die vor Ort entstehenden Werke versteigert, sondern auch Arbeiten, die die Künstler aus ihren Ateliers mitbringen. Kleine Bilder gibt es zum Teil zu Einstiegspreisen unter 50 Euro. Eine große Skulptur kann im Auktionsergebnis mehrere Tausend Euro kosten. Die Chance, einen reizvollen Mitnahmeartikel zu ersteigern, ist groß.

Mit Jürgen Othmer

sprach Felix Johannes Enzian