Präsident Wladimir Putin will den gerade erst von einer Leberoperation genesenen Rostropowitsch mit einem Empfang im Kreml ehren.
Rostropowitsch wurde 1927 in Baku (heute Aserbaidschan) in einer Musikerfamilie geboren. Seinen Vater Leopold, der ebenfalls Cellist war, nennt er bis heute seinen wichtigsten Lehrer. Rostropowitsch gab 1945 die ersten Konzerte in Moskau und begann 1964 mit einem Auftritt in der Bundesrepublik seine weltweite Karriere. Verheiratet ist er seit 1955 mit der Sopranistin Galina Wischnewskaja (80), der einstigen Primadonna des Bolschoi-Theaters.
In Rostropowitschs Spiel auf dem Cello paarten sich nach Meinung russischer Kritiker "tiefes Gefühl mit Intellektualität und einem außerordentlichen Gespür für die Form". Er war mit russischen Komponisten wie Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew oder Alfred Schnittke befreundet und führte viele ihrer Werke erstmals auf. Aber auch ausländische Künstler wie Benjamin Britten, Leonard Bernstein oder Pierre Boulez schrieben Stücke für ihn. Seine Konzerte beschloss Rostropowitsch jedoch häufig mit Musik von Johann Sebastian Bach. "Ohne Bach gibt es kein Leben für mich", bekannte er einmal.
Rostropowitschs nach russischer Einschätzung "genetisch angelegte Furchtlosigkeit vor der Obrigkeit" brachte ihn 1971 in Konflikt mit den sowjetischen Behörden, als er für den verfemten Schriftsteller Alexander Solschenizyn eintrat. 1974 mussten Rostropowitsch und seine Frau emigrieren. 1978 wurde dem Paar die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt, die es erst 1990 zurückbekam. Rostropowitsch begann eine zweite Karriere als Dirigent und stand von 1977 bis 1994 an der Spitze des National Symphony Orchestra (NSO) in Washington.
Legendär wurde Rostropowitschs Auftritt in Berlin 1989. Zwei Tage nach dem Fall der Mauer saß der Musiker inmitten des Trubels am Checkpoint Charlie und spielte tief versunken Cellomusik von Bach. Das spontane Konzert war für ihn "ein ganz persönliches Gebet", denn erst der Fall der Mauer fügte die Hälften seines zwischen Ost und West geteilten Lebens wieder zusammen.
Genauso wie nach Berlin eilte Rostropowitsch im August 1991 nach Moskau, als ein altkommunistischer Putsch die neu gewonnene Freiheit bedrohte. Drei Tage, die er später als "die schönsten meines Lebens" bezeichnete, wachte er mit dem russischen Präsidenten Boris Jelzin im belagerten Regierungssitz, dem Weißen Haus. Nach der Rückkehr in die Heimat Russland bauten Rostropowitsch und seine Frau ein Netzwerk wohltätiger Organisationen zur Förderung von Musikern und Sängern auf.
Zu Ehren seines Jubiläum hat die Deutsche Grammophon ein Album mit Rostopowitsch- Aufnahmen aus den 50er-Jahren aufgelegt. Darunter Saint-Saens: Cellokonzert a-moll (Symphony Orchestra of the All Union Radio, Gregory Stolyarov) von 1953 und Schumann: Cellokonzert ( Symphony Orchestra of Moscow, Samuel Samosud) von 1959.