Dietmar Wischmeyer, warum zieht es Sie immer wieder zu Ihren Artgenossen in die Lausitz?
Sie sind ja überall, diese Artgenossen. In die Lausitz fahre ich ja jetzt schon seit fast 20 Jahren. Aus Cottbus, Hoyerswerda und Görlitz weiß ich: gutes Publikum, volle Hallen, alles Klasse.

Diesmal ohne Verstärkung?
Ich komme immer allein.

War nicht schon mal Oliver Kalkofe dabei?
Das ist nicht auszuschließen, den übersehe ich immer so leicht.

Oha. Worauf müssen wir uns diesmal gefasst machen?
Sie müssen sich nicht fürchten. Diese vielen merkwürdigen Menschen, die ich vorführe, gehören ja nicht bei jedem zu seiner direkten Umgebung. Deswegen können viele Trost darin finden, dass es so schlimm bei ihnen nicht ist. Und sie vor allem selbst zu den Besseren gehören.

Wie schafft man es, bei der Überdosis an biologischen Engverwandten nicht bekloppt zu werden?
Man darf sie nur in homöopathischen Dosen aufnehmen. Zumindest gilt das für mich. Wenn man ständig ein Overkill an menschlicher Begegnung zulässt, dann erleidet man einen Sozialinfarkt. Bei dem einen fängt das bei zehn Leuten auf dem Haufen an, bei anderen erst bei einem Fußballspiel mit 50.000 Leuten. Bei mir ist es irgendwo dazwischen. Wenn zu viel Leute aufeinanderhocken, werde ich kribbelig. Die Masse handelt in der Regel unübersichtlicher, unkontrollierter, abstoßender als der einzelne Mensch.

Massenansammlungen halten jetzt viele ohnehin für keine gute Idee.
Wenn man es ganz nüchtern sieht, rangiert die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines terroristischen Angriffes zu werden, nicht unter den ersten zehn Gefahren, die unser Leben bedrohen. Aber Menschen sind ja irrational, in dem, was sie befürchten.

In dem Zusammenhang: Gibt es Dinge, die man nicht kaputtlachen sollte?
Lachen ist ein Urlaub von der Ratio. Das kann nie schaden. Es lässt uns vieles vergessen, was nicht zu ändern ist. Insofern ist es eine große Katharsis, die das Lachen mit sich bringt und nie falsch. Es sei denn, man lacht über jemanden und verletzt ihn damit. Da sollte man überlegen, ob man den Richtigen getroffen hat.

Wo bieten sich verbale Dampframmen förmlich an?
Die Politik bekommt natürlich das ganze Sperrfeuer der Satire ab. Weil sie sich ja hinter dem Wort versteckt, muss man sie auch mit dem Wort bekämpfen. Wenn sie uns einlullen will mit Worten, um die Tatsachen zu verschleiern. Das zu entlarven, ist immer angeraten, sobald Politiker den Mund aufmachen.

Im vergangenen Jahr haben Sie für Ihr "Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten" in der "Heute-Show" den Bambi bekommen. Über die Show zeigen sich sogar Leute begeistert, die sonst nichts mit Comedy am Hut haben. Wie haben Sie die denn eingefangen?
Es gibt zwei Gruppen, die vorher nicht wussten, dass sie das gut finden. Zum einen ist der althergebrachte ZDF-Zuschauer eine treue Seele. Das merke ich auch bei meinen Veranstaltungen. Da sitzen Leute in einer Altersklasse und Aufgeräumtheit, wie ich sie vorher nie in meinen Shows gesehen habe. Die gucken alles, was sich ihnen bietet. Auch die "Heute-Show". Vielleicht weil sie die für eine Nachrichtensendung halten. Die zweite Gruppe, die jüngeren Zuschauer, ziehen ihre politische Information oft ausschließlich aus der "Heute-Show", was ich wiederum erschreckend finde. Denn es ist und bleibt eine Satiresendung.

Was ist für Sie tabu?
Generell finde ich, kann man über alles scherzen. Tabu ist ja ein etwas übel beleumdetes Wort aus der Religionsphilosophie als Unberührbares und Nichtangreifbares. Ich nenne es Berufsethos: bei Opfern nicht nachtreten. Das ist schwerer, als man denkt. Sich nicht über frierende Flüchtlinge lustig machen, da kommt wohl jeder drauf. Aber ist es richtig, sich über Thomas de Maizière lustig zu machen, bloß weil er rhetorisch etwas unbeholfen ist? Eigentlich muss man sich viel mehr lustig machen über Leute, die gewiefte, aalglatte Formulierer sind und nicht über die Tolpatschigen. Thomas de Maizière ist natürlich weit davon entfernt, ein Opfer zu sein.

Sie sind ja beim Frühstyxradio und im TV auch als der Kleine Tierfreund bekannt geworden. Schlafen Sie mit einer Katze im Bett?
Nee. Ich habe gar keine Katze, nehme auch keine Tiere wissentlich mit ins Bett, gehe nur verschärft davon aus, dass in Hotels die eine oder andere Milbe meinen Schlaf teilt.

Wen lassen Sie sonst so dicht an sich ran?
Ich reduziere das auf menschliche Bekanntschaften. Ich habe einen Hund, der hat aber sein eigenes Bett. Ein Ridgeback namens Achim.

Nach Achim Mentzel?
Der sieht wesentlich besser aus als Achim Mentzel. Hat auch kürzere Haare, gradere Beine und nicht so ne dicke Wampe. Und frisst auch keine Gurken.

Das ist gemein, verscherzen Sie es sich nicht mit den Lausitzern.
Achim Mentzel kann solche Witze ja ab. Kalkofe hat da ja ein Monopol drauf. Wir haben Mentzel ja häufiger getroffen in Cottbus. Der ist da absolut schmerzunempfindlich.

Verraten Sie uns als studierter Philosoph noch Ihre Lebensphilosophie?
Ihr müsst bleiben, ich darf gehen. Unter dem Titel habe ich auch ein Buch geschrieben. Ich stelle es mir ganz schrecklich vor, jeden Tag in die gleiche Firma zu gehen, immer die gleichen Orte sehen zu müssen. Die Freiheit einen Ort zu verlassen, eine Gesellschaft, die mir nicht behagt, ist ein großer Vorteil im Leben.

Mit Dietmar Wischmeyer

Ida Kretzschmar