Es handelt sich ja gar nicht um die Anständigkeit, alles weg'n de Leut, weg'n de Leut.“
Diese Zeilen und viele andere zu frechen und schmissigen Couplets könnten heute entstanden sein, wüsste man nicht, dass ihr Erfinder bereits 1870 in Gardelegen (Altmark) als Sohn eines Gastwirts namens Pfützenreuter geboren wurde. Die geplante Kaufmannskarriere schlug er in den Wind, um sich seinen Traum vom Theater zu erfüllen. Unter dem Namen Otto Reutter eroberte er als Varietekünstler, der seine Texte für die Vorträge selber schrieb und komponierte, die Metropolen künstlerischen Lebens in Deutschland: Dresden, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig und Berlin. In originellen Couplets glossierte er die Tages- und Zeitereignisse, persiflierte das Beamtentum, die Zensurverhältnisse, die preußische Ordnungssucht und das weite Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen. An dem von Reutter gepachteten "Palasttheater am Zoo" in Berlin traten Hans Albers, Käthe Dorsch und Adele San drock auf. In Stummfilmen wurde er zum Kintopp-Star und mit Heinrich Zille spielte er zusammen in Revuen.
Otto Reutter ist nun die letzte Premiere des Jahres an der Neuen Bühne Senftenberg gewidmet. Morgen ab 20 Uhr ist erstmals der Reutter-Abend „Ick wunder mir über jar nischt mehr . . .“ zu erleben. Es singt und spielt Stefan Bergel, begleitet von Ulla Kosel am Klavier. (pm/pb)
Die Premiere ist ausverkauft, Restkarten für die zweite Vorstellung am 30. Dezember um 19.30 Uhr gibt es unter Tel: 03573/80 12 86.