Heiko Walter, haben Sie die Proben schon in einen Swinging Lover verwandelt?

(Lacht). Das kann man wohl sagen, lassen Sie sich überraschen. Diese Musik hat einen solchen Sog, da kann es eigentlich gar nicht anders sein.

Dass Sie im Musiktheater überall zu Hause sind, ist ja das Lausitzer Publikum schon von Ihnen gewöhnt. Aber wie sind Sie unter die Tänzer geraten?

Ich mag den Tanz und die Tänzer, mit denen es viel Spaß bei den Proben gibt. Man spürt einfach ihre Passion. Als der Cottbuser Ballettchef mich fragte, ob ich denn nicht einmal in einem Tanzstück mitwirken will, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Ballettabend ist Neuland für mich.

Wie zu hören war, haben Sie ja schon als Sechsjähriger in Cottbus getanzt. Brauchten Sie jetzt dennoch Unterricht im Swing?

Vier Jahre hatte ich bei dem bekannten Tanzpädagogen Helmut Winkelmann Ballettunterricht, der ja verschiedene Ensembles leitete und später Mitgründer des Cottbuser Kindermusicals war. Am Staatstheater mangelt es nicht an Gelegenheiten, mich immer mal wieder daran zu erinnern. Bewegung war jetzt auch bei den Proben angesagt. Zum Balletttraining allerdings wurde ich nicht verpflichtet. Ich bin der Sänger. Die Band unter Leitung von Frank Bernard am Klavier sorgt für die beswingte Musik. Die Crew tanzt. Gemeinsam wird es eine große Show. Ich muss ja nicht Fred Astaire verkörpern. Wie ich gehört habe, soll Frank Sinatra nicht so ein begnadeter Tänzer gewesen sein.

Was ist das für ein Gefühl, sich in eine Legende zu verwandeln?

Ich vergesse nie, dass ich eine Rolle spiele, die zudem mit vielen Klischees, Vorurteilen behaftet ist. Natürlich werde ich dennoch reingezogen, denn Sinatras Musik erinnert mich an meine Kindheit und Jugend. Meine Eltern haben sie gehört, und ich selbst besitze sogar noch eine Platte.

Bei mir wird es nicht genauso klingen wie bei Frank Sinatra. "The Voice" ist der US-amerikanische Sänger genannt worden. Seine Stimme ist einmalig. Eines jedoch ist gewiss: Die "Songs For Swinging Lovers" bereiten mir, und hoffentlich auch den Zuschauern, viel Freude.

Ein Mythos. Was passiert mit dem Menschen?

Wir zeigen einen kurzen, aber heftigen Abriss seines Lebens. Da lassen sich Höhen und Tiefen erahnen, sind seine Wutausbrüche zu erleben und seine Glanzvorstellungen. Er wird nicht nur als Mythos auf der Bühne erscheinen, sondern auch als ein in seinen Liebesaffären zerrissener, mitunter gebrochener Mann, der mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Auch Mafia-Kontakte wurden ihm ja nachgesagt.

Frank Sinatras Angst vor der Dunkelheit war berüchtigt. Wie hat er sich dagegen gewehrt?

Indem er gefeiert hat, bis es wieder hell wurde. Aber ich weiß nicht, ob es ihm tatsächlich so ging wie dem Komiker Louis de Funes, der ja jeden Abend unterm Bett nachgesehen haben soll, ehe er sich schlafen legte. Jazzsänger Sinatra hatte wohl eher Furcht vor der Stille, der Einsamkeit. Deshalb umgab er sich immer mit vielen Freunden, um nicht in der Finsternis zu versinken. So eine Partynacht werden wir in der Kammerbühne feiern. Alle sind versammelt. Sammy Davis, Jr. und Dean Martin, die unter anderen mit Sinatra zu The Rat Pack gehörten (übersetzt: die Rattenmeute) und all seine Frauen. . .

Nebenbei: Gehören Sie selbst zu den Freunden der Nacht?

Das bringt der Beruf so mit sich. Wenn die Vorstellung zu Ende ist, komme ich noch lange nicht zur Ruhe. Ich bin ein Nachtmensch, doch bis zum Sonnenaufgang geht es kaum. Schließlich bringt der neue Tag eine neue Probe.

Rund 1900 Lieder sollen zum Repertoire des überaus produktiven Sängers gehört haben. Die Qual der Wahl muss erheblich gewesen sein.

Da haben Sie recht. Die Auswahl erfolgte gemeinsam mit dem Choreografen Mirko Mahr, Ballettchef der Musikalischen Komödie Leipzig, sowie mit dem musikalischen Leiter Frank Bernard. Wir haben viel gesucht und viel angehört und uns schließlich für 22 Titel entschieden. Da sind natürlich ganz bekannte dabei wie "New York, New York". Ein Song, den ich übrigens auch schon oft auf der RUNDSCHAU-Bühne beim Cottbuser Stadtfest gesungen habe. Jetzt präsentieren wir auch unbekanntere Songs und stille Balladen. Das Tanzstück aber hält noch eine ganz besondere Überraschungsnummer bereit. Die ist so genial, dass alle Worte verblassen.

Gibt es etwas, was Sie an dem Künstler besonders fasziniert?

Seine Vielseitigkeit. Er war ein großartiger Sänger und Filmemacher, einer der bekanntesten Entertainer des 20. Jahrhunderts.

Wundert mich nicht, dass gerade Heiko Walter für die Rolle ausgewählt wurde.

Weil ich da eine gewisse Verbindung spüre, habe ich sie auch wirklich gern übernommen.

Auf einem Theaterfest wechselten Sie Ihre Gefühle schneller als die Hemden: Als Rudi Carrell, Emil, Hans Moser, Marcel Reich-Ranicki, Hurvinek und Spejbl, Helmut Kohl und Pittiplatsch. Wie bringen Sie das fertig?

Schon als Junge habe ich entdeckt, dass ich das kann. Gemeinsam mit meinem Cousin gaben wir im Familienkreis unsere Parodien zum Besten. Zum Theaterfest habe ich das ein wenig perfektioniert. Das ist doch das Segensreiche an meinem Beruf, dass ich dauernd die Gefühle wechseln kann. Dafür suchen sich andere einen Psychiater. Natürlich muss man sich in eine Rolle hineingeben, sonst geht die Wahrhaftigkeit flöten. Aber eben nur so weit, wie man sich selbst nicht verliert.

Gestatten Sie dennoch die nachdrückliche Frage: Wie ist es nun so, ein Star von Weltruf zu sein?

Psst. Noch haben die Paparazzi von mir keine Notiz genommen.

Mit Heiko Walter sprach

Ida Kretzschmar