Ennio Marchetto, Sie stammen aus Venedig. Die Stadt ist berühmt für ihren Karneval und die Masken. Hat das Ihre Kunst beeinflusst?
Natürlich. Meine ersten Kostüme sind vom Karneval in Venedig sehr beeinflusst. Ich habe damals als Straßenkünstler gearbeitet. Davon inspiriert sind sehr lustige Kostüme entstanden - hergestellt aus verschiedenen Materialien.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kostüme aus Papier und Pappe zu entwerfen?
Vor vielen Jahren - damals muss ich etwa 20 Jahre alt gewesen sein - hatte ich nachts einen Traum. Ich träumte von Marilyn Monroe, und sie war ganz in Papier gehüllt. Dann bin ich aufgewacht und habe noch am selben Tag mein erstes Papierkostüm entworfen. Es war das von Marilyn Monroe. Und jeder mochte meine Marilyn aus Papier. Und so sind nach und nach immer mehr Papierkostüme entstanden. Diese Idee hat mein Leben verändert.

Wie stellen Sie Ihre Kostüme genau her?
Ich arbeite nun schon seit 20 Jahren mit einem Freund, einem Kostümdesigner aus den Niederlanden, zusammen. Er hat die meisten meiner Kostüme hergestellt - alles in Handarbeit. Da ist zunächst die Idee einer Parodie auf einen Star. Den Entwurf zeichne ich auf. Dann wird das Kostüm aus dünner Pappe ausgeschnitten, bemalt und mit Klettverschluss an mir befestigt. Charakteristische Accessoires sind in Origami-Technik gefaltet und stecken in den Kostümen. Mehr brauche ich eigentlich nicht. Ein Kostüm hält etwa ein Jahr.

Wer ist eigentlich Ihre liebste Papierkreation?
Ich mag immer die aktuellste Kreation. Einige Figuren habe ich von Anfang an in meiner Show wie Marilyn Monroe oder Mona Lisa. Ich kann einfach keine Show ohne Marilyn machen. Aber ich tausche Figuren auch aus. Doch die besten Figuren bleiben natürlich in der Show. Pop-Sternchen Miley Cyrus auf ihrer Abrissbirne ist übrigens meine neueste Kreation. Und sie kommt richtig gut an.

Wo treten Sie überall auf?
In den vergangenen 25 Jahren habe ich in mehr als 60 Ländern gastiert, war beispielsweise in Neuseeland, Australien, China, den USA und überall in Europa. Für einige Länder habe ich ländertypische Programme zusammengestellt mit Stars, die im jeweiligen Land berühmt sind. So gibt es eine amerikanische Show, eine britische, französische, italienische und auch eine deutsche Show mit Nina Hagen, Marianne Rosenberg und Helene Fischer aus Pappe. Ich habe mir sogar extra für Japan eine Show einfallen lassen. In der internationalen Show stehe ich als Edith Piaf, Maria Callas, Luciano Pavarotti, Whitney Houston und Tina Turner auf der Bühne. Die kennt man überall auf der Welt und erkennt sie sofort - auch als Karikatur aus Papier und Pappe.

Neben den Papierkleidern und -accessoires lebt Ihre Solo-Performance von Ihrem pantomimischen Können. Sie sind ein guter Beobachter oder?
Ich höre mir den Song einer Berühmtheit sehr oft an, schaue mir dazu das Video der Person, die ich nachahmen möchte, mehrmals an, um zu beobachten, wie sie sich bewegt und höre ganz genau auf die Stimme. Der Songtext muss natürlich sitzen, denn die Lippenbewegungen müssen auch stimmen. Wenn ich das typische Verhalten verinnerlicht habe und dann das Papierkostüm anziehe, bin ich plötzlich die Person. Das geht ziemlich schnell. Trotzdem habe ich immer ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich versuche, eine Person zu imitieren: Ich karikiere bekannte Stars.

Wen werden Sie als Nächstes in Papier und Pappe karikieren?
Ich mag das deutsche Publikum sehr. Deshalb werde ich noch einige deutsche Stars in meine Show aufnehmen - vielleicht wird es Zarah Leander, es könnte aber auch Tokio Hotel werden.