Herr Rossi, Sie waren, bevor Sie berühmt wurden, viele Jahre als Straßenmusiker unterwegs.
Ganz genau.

Was denken Sie, wenn Sie heute einen Straßenmusiker sehen?
Dann denke ich natürlich zurück an meine Zeit als Straßenmusiker. Gleichzeitig bin ich dankbar dafür, dass ich heute das machen darf, was ich immer machen wollte: Menschen mit meiner Musik zu unterhalten. Ich nehme mir immer etwas Zeit, um dem Musiker zuzuhören und ich gebe auch etwas Geld. Das war damals eine harte, aber auch wichtige Schule für mich. Ich kann deshalb heute das, was ich habe, noch mehr schätzen.

Erst im Alter von 40 Jahren kam für Sie der ganz große Durchbruch als Sänger. Haben Sie immer an diesen Erfolg geglaubt oder haben Sie manchmal auch ans Aufhören gedacht?
Ich habe immer an mich geglaubt. Und meine innere Stimme hat immer gesagt, irgendwann kommt deine Zeit. Ich habe natürlich nicht geglaubt, dass das 25 Jahre dauern wird.

Sie stammen aus Argentinien. Weiß man dort eigentlich, dass Sie in einigen Ländern Europas ein Star sind?
In einem Ort kennt man mich, denn dort habe ich vor ein paar Jahren ein Konzert gemeinsam mit Andrea Berg und Johnny Logan gegeben. Im Rest von Argentinien kennt mich keiner. Leider.

Was vermissen Sie aus Argentinien?
Was ich am meisten vermisse, ist meine Familie - meine Mutter und meinen Bruder. Ich habe wunderschöne Erinnerungen an meine Kindheit in Argentinien. Aber ich habe jetzt eine neue Familie, eine neue Heimat in Österreich gefunden. Dort bin ich sehr glücklich. Aber mein Herz schlägt noch immer für Argentinien.

Bevor Sie aus Argentinien nach Österreich kamen, kannten Sie da eigentlich Schlager und Volksmusik?
Eine ähnliche Musik wie Volksmusik gibt es auch in Argentinien, also Musik, die das Volk gern hört. Aber Schlager kannte ich vorher noch nicht. Den habe ich das erste Mal in Österreich gehört. Ich erinnere mich, dass ich auf einer Geburtstagsparty gesungen habe. Auf dieser Feier habe ich den Geschäftsführer einer Plattenfirma kennengelernt und ich habe ihm ein Demo-Band mit Songs von mir gegeben. Drei Tage später hat er sich bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auf Deutsch zu singen. In diesem Moment habe ich verstanden, was Schlager ist. Es sind Lieder mit wunderschönen Texten, die Menschen verbinden.

Mit welcher Musik sind Sie aufgewachsen?
Mit den Beatles und vielen Künstlern aus Südamerika wie Palito Ortega und natürlich Julio Igelesias, Demis Roussos und auch Elvis Presley.

Ihr Vater war Tango-Sänger, Ihre Mutter Pianistin. Hat Sie der argentinische Tango musikalisch beeinflusst?
Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter meinen Vater zu Hause oft am Klavier begleitet hat. Aber musikalisch hat der Tango mich nicht weiter beeinflusst. Ich kann keinen Tango singen, weil meine Stimme nicht so tief ist.

Und Tango tanzen, können Sie das?
Ich habe zwei linke Füße. Aber ich sehe gern zu, wenn jemand Tango tanzt. Den argentinischen Tango tanzen zu lernen, ist sehr schwer.

Wenn Sie ihre Hits wie "Rot sind die Rosen" oder "Tausend Rosen für Dich" in den großen Fernseh-Shows singen, haben Sie tatsächlich immer eine Rose in der Hand. Sind Sie ein Romantiker?
Ich bin ein Romantiker. Ich glaube an die Liebe. Wenn ich nicht so ein großer Romantiker wäre, könnte ich solche Lieder nicht interpretieren.

Mit Semino Rossi

sprach Thomas Seifert

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