Musik hat seit frühester Kindheit für ihn eine Rolle gespielt. Mit sechs hat er angefangen Klavier zu lernen, mit acht zusätzlich Cello. "Heute fühle ich mich am Flügel eher dort wohl, wo die Ausbuchtung ist - nicht wo die Tasten sind", sagt Christoph Bier.

Von Anfang an hatte es ihn nicht unbedingt zu den Instrumenten gedrängt. "Ich glaube, meinen Eltern war es wichtig, uns Kindern ihre Liebe zur Musik weiterzugeben und so vielleicht ein bisschen ihre Träume zu verwirklichen. Es hat funktioniert: Eine meiner Schwestern ist Flötistin, die andere Musikwissenschaftlerin", erzählt der 28-Jährige.

Für ihn spielten Klavier und Cello schon als Teenager nur noch eine untergeordnete Rolle, er hatte ein anderes Instrument entdeckt - seine Stimme. "Bei einer Aufführung in einer Kirche hörte mich der Chorleiter des Anhaltischen Theaters Dessau, er ist der Mann meiner Deutschlehrerin, und meinte, sie solle mich doch mal zu einer Probe zu ihm schicken."

Mit 14 sang Christoph Bier bereits im Extrachor des Theaters. Als er in Puccinis Oper "Das Mädchen aus dem goldenen Westen" zum ersten Mal auf der Bühne stand, war der Berufswunsch klar. "Ich wollte auf die Bühne." Mit dem Geld, das er für die Auftritte bekam, finanzierte er seinen Gesangsunterricht. Nach dem Abitur gab es für ihn keine Frage, was er studieren will. Mit Studienplätzen an drei Musikhochschulen in der Tasche ging er aber erstmal anderthalb Jahre zur Bundeswehr. Und dann nach Köln. Das hatte vor allem mit Christoph Prégardien zu tun, der dort Professor an der Musikhochschule war und sich besonders dem Lied und Oratorien widmete. Sieben Jahre hat Christoph Bier studiert, dem Diplom noch einen Masterstudiengang folgen lassen. "Du musst jetzt raus, in ein Theater", hatte sein Lehrer erklärt. Und auch Christoph Bier hatte dieses Gefühl, obwohl er schon während des Studiums viel gastierte, unter anderem in Aachen und Münster. Was es noch zu lernen gab, sollte sich in einem Ensemble formen. Gesangsunterricht nimmt er außerdem weiter. "Fertig ist man als Sänger ja nie", ist Christoph Bier überzeugt. "Jede Rolle stellt andere Anforderungen, und auch die Stimme verändert sich. Gut, wenn man in einem Ensemble wachsen kann, wie dem hier in Cottbus, wo jungen Sängern Zeit gegeben wird, sich zu entwickeln."

Bühnenluft schnuppern, das ist für Christoph Bier keine Floskel, sondern immer wieder ein sinnliches Erlebnis: "Wenn ich zur Bühnenprobe komme, es riecht nach Holz und Farbe und Leim, dann spüre ich ein wohliges Gefühl." Gerade eben gibt es jede Menge davon, weil fast jeden Tag Probe ist. Die Kinderoper "Sechse kommen durch die Welt" mit der Musik von Wolfgang Hocke und dem Libretto von Jo Fabian nach dem Märchen der Brüder Grimm hat am morgigen Freitag Premiere und soll Kindern ab sechs Jahren die Zeit bis Weihnachten ein bisschen verkürzen helfen. Christoph Bier ist der Soldat. Der hatte seinem König treu gedient, war für ihn in den Krieg gezogen, "während der Monarch in seinem Schloss rauschende Feste feierte", empört sich Untertan Christoph.

Als der Soldat aber seinen Lohn haben will, speist ihn der König mit drei Hellern ab. "Zu wenig für Hemd und Schuh - reicht auch nicht für eine Kuh", besagt der nüchterne Kassensturz.

Damit nicht genug, bekommt er vom König auch noch einen Tritt in den Hintern, was den Soldaten auf Rache sinnen lässt.

Glücklicherweise gibt es im Märchen ja Feen. Die treten zunächst meist als armes, altes Weib auf, um herauszufinden, ob die Wohltaten auch den Richtigen treffen. Wenn ja, wird am Ende aus dem größten Tollpatsch oder Loser noch ein Sieger. "Das ist doch das Wunderbare an Märchen, dass Gut und Böse klar erkennbar sind und das Gute immer siegt", beschreibt Christoph Bier seine Liebe zu Märchen, an denen die alten Defa-Märchenfilme nicht ganz unschuldig sind. Bis heute sieht er sie sich gerne an. Und er fragt sich, ob Kinder dieses Refugium der Fantasie in unserer medienüberfluteten Zeit noch genauso lieben.

Es wird sich zeigen, denn die Kinder im Publikum sollen dem Soldaten helfen, dem bösen König ein Schnippchen zu schlagen. Ein bisschen hat allerdings auch die Fee ihre Hand im Spiel. Sie sorgt dafür, dass der Soldat gar wundersame Gesellen trifft, die über ganz außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen: Der Bläser kann so viel Wind machen, dass sich selbst Mühlenflügel drehen; der Läufer ist schnell wie der Blitz und wie sich noch zeigen wird, schneller als die bösartige Prinzessin; der Jäger hat Adleraugen, die kilometerweit sehen, der Starke kann mächtig viel wegschleppen - da wird der König noch blass werden - und beim Frost ist der Name Programm. Weil alle zusammenhalten, gelingt es ihnen, den vermeintlich übermächtigen König zu besiegen.

"Und die Prinzessin will ich auch nicht, die ist mir zu doof", sagt der Soldat Christoph Bier, schon ganz ins Märchenland abgetaucht.

Karten für die morgige Premiere und weitere Vorstellungen gibt es im Besucher-Service,

Ticket-Tel.: 0355/78242424.

Die erste Familienvorstellung findet am kommenden Sonntag, 16 Uhr; statt. Im Anschluss gibt es eine Signierstunde.