Anlass zur Nüchternheit sind wie so oft im Kulturleben die Finanzen. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben müsse die Pückler-Stiftung besser ausgestattet werden, fordert Streidt. Derzeit verfüge sie über einen Jahresetat von 2,37 Millionen Euro. Ein großer Teil der Summe bestreite die Personalkosten der 23 Stiftungsmitarbeiter. Trotzdem blickt der 54-Jährige, der für die Tätigkeit im Zeichen des Gartenkünstlers Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 bis 1871) die Leitung des Hauses für Brandenburgisch-Preussische Geschichte (HBPG) in Potsdam aufgegeben hat, offenbar mit Tatendrang und mit Zuversicht in die Zukunft. Sein Ziel sei, Pücklers Park und Schloss zu einem Kulturort von überregionaler Ausstrahlung zu machen, am besten mit Unesco-Welterbe-Status. "Es muss lebendiger werden." Wie er das erreichen will, umreißt der gebürtige Kamenzer anhand von sieben Punkten. Wegweiser. "Man findet ja den Weg nach Branitz nicht." Deswegen will der Direktor sich für eine Beschilderung einsetzen, die Auswärtige (derzeit kommen pro Jahr rund 200 000 Besucher nach Branitz) von Autobahn und Bundesstraßen zum Pückler-Ensemble leitet. Die Buslinie 19, die in der warmen Jahreszeit vom Cottbuser Bahnhof nach Branitz verkehrt, müsse offiziell "Pückler-Linie" getauft, die Bushaltestelle "Robinienweg" in "Schloss Branitz" umbenannt werden. Kulturangebote. Gert Streidt will, dass das Schlossensemble als kultureller Ort an Gewicht und Ausstrahlung gewinnt. Er sei überzeugt, dass sich durch prominente Namen und gezielte Veranstaltungen ein größeres Publikum gewinnen lasse. Für das laufende Jahr kündigt er eine Lesung des Historikers Eberhard Straub über Wilhelm II. im April sowie eine Ausstellung an, die sich ab September dem preußischen Staatskanzler und Reformer Karl August von Hardenberg (1750 bis 1822), Pücklers Schwiegervater, widme. Das Jahr 2010 soll mit einer Ausstellung, einer Publikation und einem wissenschaftlichen Kolloquium Pücklers Frau Lucie (1776 bis 1854) schärfer in den Blick nehmen. "Ich denke, ihr Anteil an Pücklers Wirken ist größer, als er bisher wahrgenommen wird." Forschung. Die Branitzer Stiftung ist mit einem Archiv und einer Forschungsstelle mit zwei Mitarbeitern bereits ein Anlaufpunkt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Pücklers gartenkünstlerischem und schriftstellerischem Werk. Diesen Status möchte der Direktor unter anderem mit Tagungen ausbauen. Zum Beispiel sollen im Oktober "Stand und Perspektiven der Pückler-Forschung" erörtert werden. Denkmalpflege. "In den letzten 15 Jahren wurde in der Baudenkmalpflege hervorragende Arbeit geleistet", lobt der neue Stiftungsdirektor. Dagegen sei der Park ins Hintertreffen geraten. Schwerpunkt bilde in den nächsten Jahren der Innenpark. Unter anderem solle Pücklers "pleasureground" rund ums Schloss mehr Kontur zurückgewinnen, zunächst indem ein rundes Rosenbeet originalgetreu angelegt werde. Auch die Verbindungslinien in den Außenpark, den Pückler als "ornamental farm", als künstlerisch gestaltete Feldflur, anlegte und nutzte, bedürften der Rekonstruktion. Parknutzung. Was die Erschließung des Gartenkunstwerks für ein breites Publikum angeht, hat Gert Streidt festgestellt, dass bisherige Führungen nur wenig angenommen worden seien. In Zusammenarbeit mit Schauspielern des Staatstheaters, die in der Rolle des Fürsten über das Anwesen leiten könnten, möchte er dieses Angebot attraktiver machen. Massentourismus werde es in Branitz allerdings nicht geben. Diesen verhindere schon die Entfernung zu Kulturmetropolen wie Dresden und Berlin. Ohnehin sei Pücklers Landschaftsgarten kein Ort für Massenveranstaltungen wie die Potsdamer Schlössernacht. "Klein, aber fein", schwebt Gert Streidt vor. Zur jüngsten Debatte in der Cottbuser Einwohnerschaft, ob der Branitzer Park für Wintersport genutzt werden könne, sagt er, der Schutz des einzigartigen Kulturerbes habe Vorrang. Dieser sei durch Aufklärung und Einhaltung der Parkordnung durchzusetzen. Weltkulturerbe und Marketing. "Mich wurmt es schon, dass Branitz im Gegensatz zu Pücklers Parks in Bad Muskau und Babelsberg nicht zum Unesco-Kulturerbe gehört." Dass die Cottbuser Stiftung diesen Status erreichen könne, sei "realistisch". "Unrealistisch ist dagegen, dass das ganz schnell geht." Streidt plane, die Zusammenarbeit mit der Stiftung "Fürst-Pückler-Park" Bad Muskau zu intensivieren. Er wolle sich einsetzen, die polnische Seite dafür zu gewinnen, Branitz in deren Antrag an die Unesco mit aufzunehmen. Die Zusammenarbeit mit Bad Muskau und anderen Partnern, ob fachlich oder beim Marketing, lasse sich noch verstärken. Geld. Ansätze, wie die finanzielle Lage gebessert werden könnte, gibt es bereits: Von Gebührenautomaten am bisher gratis nutzbaren Parkplatz verspricht sich der Direktor Jahreseinnahmen in Höhe von 15 000 Euro. Als weitere wichtige Geldquelle diene die Vermietung von Räumlichkeiten. "Dankbar bin ich außerdem für die sehr engagierte Arbeit des Fördervereins", sagt Gert Streidt.