Betroffene und Angehörige von Vertriebenen lobten die Darstellung des Schicksals der deutschen Bevölkerung am Ende des Zweiten Weltkrieges als sehr wirklichkeitsgetreu.
Kurt Kosmehl aus Senftenberg nennt die Ostsee „das größte Massengrab Deutschlands“ . Er spielt auf dramatische Szenen in „Die Flucht“ an, wo ostpreußische Gutsangehörige über das zugefrorene kurische Haff vor der Roten Armee nach Westen fliehen. Bei realen Verzweiflungstaten wie dieser sind im Winter 1945 unzählige Deutsche ertrunken, vor Hunger, Kälte oder bei russischen Angriffen gestorben. Die Filmhandlung um die Hauptdarstellerin Maria Furtwängler „entspricht den Tatsachen“ , urteilt der 76-Jährige.
Kosmehl gehört zu den rund zwölf Millionen von Flucht und Vertreibung betroffenen Deutschen. Er gelangte am 15. Juli 1945 nach Großkoschen und fand in der Lausitz ein neues Zuhause.
Am Wochenende hat sich der Senftenberger alle Fernsehsendungen zum Thema „Vertreibung“ angeschaut. In der politischen ARD-Talkschau „Sabine Christiansen“ vermisste er Diskussionspartner aus der ehemaligen DDR. Dort war die Trauer um die verlorene Heimat tabuisiert. Kosmehl erinnert sich der barschen Antwort eines Vorgesetzten auf seine Herkunftsangabe „Osselwitz, Schlesien“ . Sie habe gelautet: „Das liegt in Polen.“
Kurt Kosmehl sagt, er habe „keinen Hass“ , gegen die, die jetzt in seinem Geburtsort leben. Aber noch immer vermisst der Lausitzer eine angemessene Entschädigung der Vertriebenen: „Gesamtdeutschland hat den Krieg verloren, warum sollen wir, die die Heimat verloren haben, die Hauptlast tragen?“ , fragt er.
Eberhard Richter, Fraktionsvorsitzender von PDS/Die Linke in Cottbus, findet es im Gegensatz zu Kurt Kosmehl angemessen, dass die Erinnerung an die Vertreibung in der DDR „offiziell nicht kultiviert“ worden sei. „Sicherlich waren viele, die darunter leiden mussten, unschuldig“ , sagt er. „Aber es musste ein Strich gezogen werden.“ Westdeutsche Vertriebenenverbände bezeichnet der Cottbuser PDS-Politiker als „Revanchistenverbände“ . Ihre Äußerungen hätten bei den Betroffenen Begehrlichkeiten geweckt, die ihr Leid verschlimmert hätten.
Ein weiteres Tabuthema war in der DDR die vielfache Vergewaltigung deutscher Frauen durch die angeblichen russischen „Befreier“ . Im ARD-Film wird die brutale Rache der überfallenen Sowjets an der deutschen Zivilbevölkerung mit einer Szene angedeutet. Auch Waltraud Skoddow, Schriftstellerin aus Hoyerswerda, hat zugeschaut. „Diese Frauen haben sehr gelitten - sowohl unter den Gewalttaten, als auch unter dem Schweigen“ , sagt sie.
Die Lausitzerin hat das Ende des Zweiten Weltkriegs als Dreijährige miterlebt - und dabei vorwiegend gute Erfahrungen mit Rotarmisten gemacht. Ein Soldat habe sie freundlich auf den Arm genommen, ein anderer ihr Brot geschenkt.
Viel Kritik ist in den Medien an der Liebesgeschichte geäußert worden, die in „Die Flucht“ geschildert wird. Im Film verliebt sich die deutsche Gräfin Lena in einen französischen Kriegsgefangenen. Waltraud Skoddow hält dies nicht für ein kitschiges Konstrukt. „Auch so etwas hat es gegeben“ , urteilt die Buchautorin. „Wenn die Leute Angst haben, rücken sie näher zusammen.“