Von Peter Blochwitz

Studentisches Satirefestival „Ei(n)fälle“ in Cottbus, 24. Auflage: Zwar sind es noch ein paar Tage bis zur offiziellen Eröffnung am 17. Januar, aber das Ereignis hat schon Fahrt aufgenommen und wird in den kommenden Tagen an Tempo zulegen. Zum Aufwärmen finden zunächst Veranstaltungen statt, bei denen sich Kabarett und Satire mit anderen Genres wie Film, Karikatur und Wissenschaft treffen.

Schon seit Mitte Dezember präsentiert das Festival im Audimax der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Cottbuser Zentralcampus die Ausstellung „100 Jahre Deutsches Kabarett“. Es ist ein Finale: Das Deutsche Kabarettarchiv mit Hauptsitz in Mainz und einer Außenstelle in Bernburg hat  die ersten 100 Jahre deutsches Kabarett dokumentiert und in eine sechsteilige Wanderausstellung gegossen. Nachdem in den vergangenen Jahren die ersten fünf Teile dieser Reihe in Cottbus gastierten, ist jetzt der sechste und letzte an der BTU zu sehen. Dieser Teil umfasst die Jahre 1983 bis 2000 und steht unter dem Titel: „Moral hin! Moral her? – Kabarett in Wendezeiten“.

Den Begriff „Wende“ hatte ja schon der 1982 neu gewählte Kanzler Helmut Kohl verwendet: Mit dem Regierungswechsel sollte eine  „geistig-moralische Wende“ in der Bundesrepublik einhergehen. Das gab reichlich Stoff fürs politische Kabarett. In der DDR wiederum übernahm das Kabarett in den 80er-Jahren quasi die  Funktion des gesellschaftskritischen Gegenwartstheaters und balancierte dabei auf dem schmalen Grat zwischen Verbot und Anpassung. Zur Wendezeit im Osten wurde es dann ein wenig kompliziert für die hiesigen Kabaretts, da die Realsatire die künstlerische ständig überholte ...

Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen im Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes (Audimax) am Cottbuser Zentralcampus der BTU. Sie kann bis zum 25. Januar von Montag bis Freitag tagsüber besichtigt werden. Am Samstag, dem 19. Januar, findet um 13 Uhr im Rahmen des Festivals eine öffentliche Führung durch die Ausstellung mit dem ehemaligen Mitarbeiter des Deutschen Kabarettarchivs Jürgen Klammer statt. Der Festival-Dauergast wird mit vielen Hintergrundinformationen sowie Ton- und Filmbeispielen die Ausstellung vertiefen.

Eine weitere Ausstellung zum Festival ist in Sichtweite: Am Freitag dieser Woche gibt es eine Vernissage in der Galerie Haus 23 in Cottbus. Unter dem Titel „Verkehrsgeschehen“ werden dort Karikaturen zur Mobilität gezeigt. Fast 100 Arbeiten von 44 prominenten Zeichnern aus ganz Deutschland, darunter Harm Bengen, Barbara Henniger, Kriki, Til Mette, Andreas Prüstel, Reiner Schwalme, Klaus Stuttmann sind für diese Exposition ausgewählt worden. Sie wurde vom Cartoonlobby e.V. – der auch das Cartoonmuseum in Luckau betreibt – zur Verfügung gestellt und ist bis zum 23. Februar in der Galerie Haus 23 zu sehen. Die Vernissage beginnt am Freitag um 20 Uhr und wird musikalisch mit lustigen Liedern betreut von Festival-Urgestein Thomas Paul Schepansky.

Danach kurz Luft geholt und die Filmbrille aufgesetzt: Am Samstagabend (11. Januar) startet um 20 Uhr die Kurzfilmnacht „Ei(n)blicke“ – und zwar erstmals in der Bühne acht der BTU. Die insgesamt 21 Kurzfilme  sind zwischen einer und zehn Minuten lang, also kurzweilig, und werden in drei Teilen gezeigt. Die Kurzfilmnacht ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Verein Kommunales Kino Cottbus und wird zum 15. Mal veranstaltet. Die gewohnt komischen, skurrilen, satirischen und ironischen Beiträge sind in diesem Jahr unter das Motto „Alkohol ist keine Lösung“ gestellt worden. Sehr zum Wohl!

Weiter geht’s am Dienstag (15.  Januar). Dann  steht ab 20.30 Uhr in der Cottbuser BTU-Mensa zum siebenten Mal der Science Slam auf dem Festival-Programm. An den Start gehen diesmal sechs Teilnehmer vom Studenten bis zum Professor. Sie alle wollen mit zehnminütigen Vorträgen zu Themen aus Wissenschaft und Alltag die Gunst des Publikums gewinnen. Dieses fungiert als Jury und bestimmt, wer zum Sieger gekürt wird. Bei der Bewertung geht es natürlich nicht vorrangig um den wissenschaftlichen Wert der Arbeit. Es  entscheidet schlicht und ergreifend eine unterhaltsame Darstellung des Themas. Der Eintritt zum Science Slam ist frei.

Die Eröffnung im Großen Haus des Staatstheaters rückt näher, aber am Tag zuvor, am Mittwoch (16. Januar), kommt das Berliner Late-Night-Politcomedy-Format „Frisch gepresst“ in der BTU-Mensa auf die Bühne. Die Festival-Veteranen Tilman Lucke und Martin Valenske vom Jungen Kabarett der Distel haben sich HüperBel aus Dänemark und den Bottroper Benjamin Eisenberg als Gäste eingeladen.

Das Lucke-Valenske-Projekt ist Beleg für ein Grundanliegen des Festivals. Organisator Andreas Gaber: „Zwischen den Teilnehmern kam und kommt es auch über das Festival hinaus zu Vernetzungen. So kommen Christine Zeides und Jonas Galm als ehemalige Teilnehmer der Kabarettkurse der Deutschen SchülerAkademie als Solisten nach Cottbus. Veranstaltungen wie ,Frisch gepresst’ oder ,Antrag auf Flucht’ werden in dieser Zusammenstellung so nur in Cottbus erlebbar sein.“

 

Tickets sind bei Cottbus-Service in der Stadthalle, beim StuRa der BTU sowie online beim Ticketportal reservix erhältlich.