600 begeisterte Zuhörer, Politprominenz in Form des wiedergewählten brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), Vertreter der enviaM und eine hochdotierte Jury bildeten den Rahmen für einen außergewöhnlichen Abend im Cottbuser Staatstheater. Doch im Mittelpunkt des Wettbewerbsfinales "enviaM - Musik aus Kommunen" standen ganz andere Personen: die drei Landessieger-Ensembles aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, die nun den ostdeutschen Sieger unter sich ausspielten.

Unterschiedlicher hätten die Instrumentengruppen nicht sein können. Da treten auf der einen Seite Percussion-Spieler gegen Akkordeonisten an. Als ob bei diesem Duell ein ernst zu nehmendes musikalisches Vergleichsurteil nicht schon schwer genug ist, verzaubert später am Abend noch ein junges Geschwisterpaar durch nahezu perfektes Streicherspiel, das mit Hingabe und Empfindsamkeit vorgetragen wird. Dass die Violinistin gerade mal 12 Jahre ist, hält der Beobachter für einen schlechten Scherz. Sie gibt sich reifer, spielt professionell, harmoniert bis ins kleinste Detail mit ihrem älteren Bruder am Cello, schmachtet ihn an. Man möchte an diesem Abend nicht in der Jury sitzen.

Aber zunächst gehört die Bühne den "Weberknechten" aus Finsterwalde. Das Spiel der Jungs aus der Sängerstadt wird dominiert von Marimba und Marimbafon, von Schlagzeug und Vibrafon. Der Bandname scheint Programm: Zum einen heißt der Leiter des Ensembles Lars Weber. Zudem nehmen die Jungs wie Spinnentiere den gesamten Bühnenraum ein, bewegen sich mit jeweils vier Schlegeln (!) blitzschnell an ihren Instrumenten und weben ein beeindruckendes Netz aus zarten Tönen, rasanten Kraftausbrüchen und rhythmischer Brillanz. Sensationell kommt das Solo im dritten Stück von Leon Henze daher, der im "Concerto for Marimba and Percussion Ensemble" von Ney Rosauro eine unheimliche Spannung erzeugt, die von allen aufgefangen wird und in einem fulminanten Schlussakkord mündet. Spätestens jetzt sind Jury und Publikum gefangen genommen.

Man fragt sich nach diesem starken Auftritt, welches der noch folgenden Ensembles diese junge Truppe schlagen soll, zumal der ausverkaufte Saal mehrfach durch Jubelrufe signalisiert, wer hier Heimvorteil genießt. Doch davon lassen sich die fünf Akkordeonisten aus Sachsen-Anhalt nicht beeindrucken, die nun auf der Bühne Platz nehmen. Das Quintett zeigt sich variabel mit Knopf- und Tastenakkordeon. Ihr facettenreiches Spiel lotet die Vielseitigkeit des Balginstrumentes vollkommen aus, vorgetragen mit einer faszinierenden Leichtigkeit und Präzision. Für die Jury der maßgebliche Punkt in ihrer Beurteilung und entscheidend für den Sieg. Da sind zum einen Orgelklänge, die an Bachsche Fugen erinnern. Da ist zum anderen das intensive Charakterstück "momento" von Lutz Stark. Das Quintett überzeugt durch starke nonverbale Bühnenkonversation, ganz zu schweigen von technisch raffiniert vorgetragenen Triller- und Balgschüttel-Passagen. Die Musiker interpretieren alle Stücke mit einer Selbstverständlichkeit, die einen ersten Preis am Ende rechtfertigt. Spätestens mit dem Stück "Escualo" des argentinischen Tangomeisters Astor Piazzolla beweisen die Stassfurter, dass das Akkordeon mehr ist als ein Begleitinstrument diverser Musikantenstadl-Auftritte von Silbereisen und Co.

Schwer hat es bei solch starken Vorgängerauftritten am Ende das Streichduo aus Leipzig, Diana und Bobby. Sie präsentieren eine Art Frage-Antwort-Spiel mit ihren Instrumenten und variieren großartig. Vielleicht ist es am Ende die noch fehlende Erfahrung, ähnlich auch bei den "Weberknechten", die eine noch bessere Platzierung verhindert. Zumindest in diesem Punkt scheinen ihnen die stolzen Sieger aus Sachsen-Anhalt etwas voraus.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die drei Wettbewerbsbeiträge von einem tollen Rahmenprogramm flankiert werden. Die Young Voices Brandenburg geben moderne Songs zum Besten, während die Junge Philharmonie Brandenburg an diesem geschichtsträchtigen Wochenende nicht zufällig den euphorischen Schlusssatz aus Beethovens Schicksalssinfonie vorträgt, hat doch der Meister sinfonischen Schaffens oft Freiheitsideale in seinen Werken verarbeitet.

Die Platzierungen: 1. Platz: Akkordeon-Quintett aus Stassfurt, Sachsen-Anhalt; 2. Platz: Percussion-Ensemble Weberknechte aus Finsterwalde, Brandenburg; 3. Platz: Streichduo Diana & Bobby aus Leipzig, Sachsen; Publikumspreis: Weberknechte