Gemeinsam mit Schlagzeuger Stephan "Stoppel" Eggert hat er die Band, die in den 90er-Jahren als "German Grunge" gefeiert worden ist, nach jahrelanger Funkstille wieder zusammengetrommelt. Herausgekommen ist das Album "Und endlich unendlich", das am Freitag erscheint. Die Single "Schau Schau" ist seit vergangenem Freitag im Handel. Bei vielen alten Fans löste die Reunion große Begeisterung aus. "Gott hab euch selig", schreibt Holger ins Gästebuch der Band-Homepage. "Darauf hat die Welt gewartet" und "Endlich wieder Licht am Horizont des deutschen Rocks", lauten andere Einträge. Und Christophe aus Frankreich schreibt: "Hört sich an, als wenn Ihr nie weg gewesen seid. Ich bin selig."Denn mit einem Comeback hatte wohl kaum jemand gerechnet, nachdem die fünf Musiker 1999 überraschend ihre Trennung bekanntgaben. Zuvor hatten sie drei Alben mit Hits wie "Sie hat geschrien", "Ohne Dich" oder "Ist es wichtig" veröffentlicht, einen Echo gewonnen und den Soundtrack zu dem Kinofilm "Knocking on Heaven's Door" verfasst. "Wir haben uns damals zu viel um Selig und zu wenig um uns gekümmert", sagt Bassist Leo Schmidthals. "Es war wie in einer Beziehung, in der man zu doll aufeinander rumhockt", ergänzt Keyborder Malte Neumann. "Wie ein schweigendes Ehepaar im Restaurant, das sich nichts mehr zu sagen hat." Die Musiker verfolgten in den nächsten Jahren eigene Projekte. Gitarrist Christian Neander gründete die Band Kungfu. Sänger Plewka tourte mit Rio-Reiser-Stücken durchs Land und spielte mit Eggert und Schauspieler Marek Harloff in der Band TempEau. Wut und Groll abgebaut"Die zehn Jahre waren nötig, um die Wut und den Groll abzubauen", sagt der 38-Jährige. "Wir haben monatelang nur geredet, bevor wir wieder angefangen haben Musik zu machen." Schließlich gingen dann die ersten Proben los. Die Musik habe tatsächlich wie ein Rausch gewirkt. "Schau, Schau" haben wir gleich am ersten Tag eingespielt, das Lied war sofort da." Jeder von Selig habe ja in der Zwischenzeit mit anderen Musikern gearbeitet. "Aber diese Konstellation ist etwas ganz besonderes", erklärt Plewka, während die anderen zustimmend nicken. "Das Gefühl der Anfangszeit war wieder da, wir kehrten zu unseren Grundakkorden zurück." Die neue Platte lehne sich somit sehr an das allererste Selig-Album von 1993 an. Und auch die Versöhnung der Band werde auf "Und endlich unendlich" deutlich. "Es ist unsere positivste Platte", sagen die Musiker. "Zwischen den Zeilen steht viel über Vergeben, Frieden und Respekt."Ausverkaufte Clubtour Um alte Fehler nicht zu wiederholen, sollen künftig eigene Projekte weiterlaufen und Freiräume akzeptiert werden. "Das haben wir uns als goldene Regel ins Buch geschrieben, damit wir noch ein anderes Ventil haben", erklärt Plewka. Das Jahr wird aufregend für Selig. Ende März geht es auf eine bereits ausverkaufte Clubtour, im Anschluss stehen Auftritte bei Festivals wie "Rock am Ring" auf dem Programm. Im September folgt eine große Konzerttournee. "Und endlich unendlich" sei erst der Beginn des Neubeginns. "Und endlich sind wir auf dem Weg, noch lange zusammen Musik zu machen", sagt Stoppel.