Welches ist Ihr Lieblingsjob„
Ich bin jemand, der Abwechslung braucht. Ich würde nicht 250 Tage im Jahr auf der Bühne stehen wollen - das wäre öde. Ich mache zwischendurch gerne Fernsehen oder lege eine Schreibphase ein. Grundsätzlich aber ist die Bühne mein eigentlicher Beruf.

Warum die Bühne“
Ich bin völlig autark: Ich schreibe alles selbst, muss mich nicht über Einschaltquoten ärgern und bekomme sofort ein Feedback vom Publikum. Und es macht ungeheuren Spaß.

Was hat sich in der Unterhaltungsbranche verändert„
Durch den Comedyboom in den letzten sieben oder acht Jahren wissen die Leute jetzt landauf und landab, was Comedy ist. Das macht das Arbeiten leichter. Früher musste man in kleinen Theatern, wo sonst nur volkstümliche Musiker auftraten, mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Hat sich der Humor verändert“
Nein, hat er nicht. Die Leute können mehr ab, da sie durch das Fernsehen viel gewöhnt sind. Das ist aber nicht nur gut. Es gibt auch viele Sendungen, die ganz schlecht sind. Das schädigt die Branche.

Gute Sitcoms kommen aus Amerika. Ist unser Humor zu schlecht„
Nein, das hat ökonomische Gründe. Wir haben gute Autoren und brauchen uns vor niemandem zu verstecken. So ganz langsam gelingt es, die schmerzliche Lücke zu schließen, die das dritte Reich in diesem Zweig hinterlassen hat. Wir haben den gesamten jüdischen Humor umgebracht. Das ist auch ein Grund, warum Amerika führend ist: Wenn sie dort spitzenkomödiantische Erzeugnisse sehen, stehen jüdische Namen dahinter. Das hat mit der Tradition und der Geschichte des jüdischen Volks zu tun, was einen weltweit einmaligen Humor hervor gebracht hat. Die einzige Bevölkerungsgruppe, die in Deutschland wirklich Probleme hat, sind bestimmt Sendergewaltige und das Hochfeuilleton. Sonst ist alles in Butter.

Wie lange braucht es noch, die zu überzeugen“
Man merkt schon, dass sich das ändert. Früher war es so, dass ein Feuilletonchef in aller Regel von der klassischen Musik, dem Theater oder der klassischen Germanistik kam. Da war Comedy als Genre das letzte. Das ist zum Beispiel auch ein großer Unterschied zu Amerika. Es ist ein junges Land, hat eine 200jährige Geschichte und im amerikanischen Kulturbegriff wird Disney subsummiert mit Rock, Jazz, Pop. Alles das, womit man sich unterhält. Hier gibt es eine große Schere zwischen Inanspruchnahme und Wertschätzung. Wenn sie in Deutschland jemand fragen, was ist Kultur, sagt der Goethe. Goethe gelesen hat er aber wahrscheinlich in seinem Leben noch nicht. Fernsehen, Video, das wird ganz unten auftauchen. Wenn man aber fragt, was machst du am liebsten, dann steht Fernsehen ganz oben.

Wer ist ihr Lieblingsopfer„
Ulla Schmidt ist ein Geschenk des Himmels. Wir kommen beide aus Aachen, da muss ich mir nicht groß Mühe geben, um ihren Jargon zu sprechen. Joschka ist natürlich im Moment auch sehr gebeutelt. Angela Merkel ist auch immer ein sicherer Brüller. Die Politikerkaste ist ja neben den Journalisten und dem Komiker eine der am wenigsten angesehenen Gruppen des Volkes.

Würden Sie sich auch als nicht sonderlich angesehen bezeichnen“
Nein, mir wird man einen gewissen Respekt vor meiner Lebensleistung nicht versagen können. Aber der Stand des Komikers ist jetzt nicht so wertgeschätzt wie zum Beispiel in England. Da ist einfach ein ganz tief verwurzelter Respekt des einzelnen vor einem Menschen, der zu komischen Leistungen fähig ist.

Mit JÜRGEN VON DER LIPPE sprach Sven Bock.