. Der 45-Jährige verbrachte von der vierten Klasse an neun Jahre im Leipziger Thomanerchor, sein drei Jahre älterer Bruder war ebenfalls Mitglied des 800 Jahre alten Chors, der regelmäßig in der Leipziger Thomaskirche auftritt.

Auch wenn er bei den Thomanern "immer der Outlaw und Aufsässige war", wie er heute sagt, habe er das, was er jetzt sei, der Zeit im Chor zu verdanken. "Was ich damals gelernt habe, davon zehre ich heute noch", schätzt er ein. Von der Ausbildung in dem weltberühmten Chor profitiere er sogar "mehr als vom späteren Studium." Krumbiegel hatte von 1987 bis 1991 an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Schlagzeug und Gesang studiert.

"Bei den Thomanern hatte ich am Tag zwei Stunden lang Werke von Johann Sebastian Bach gesungen, das prägt enorm." Bach hatte von 1723 bis 1750 als Thomaskantor gewirkt. Krumbiegel lernte den klassischen Gesang unter dem heute 82-jährigen Hans-Joachim Rotzsch, der seit 1972 den Thomanerchor als Kantor leitete. Rotzsch trat 1991 zurück, nachdem seine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit bekannt geworden war.

Pionierchor-Plan

Das frühere Chormitglied Krumbiegel hat positive Erinnerungen an die Arbeit von Rotzsch. "Rotzsch hat sich erfolgreich Bestrebungen widersetzt, den Thomanerchor in einen Pionierchor umzuwandeln", berichtet der heutige Prinzen-Sänger. "Es ging darum, den Chor zu verweltlichen, wir sollten außerdem in Pionierkleidung auftreten." Letztlich blieb es bei der Ausrichtung auf geistliche Musik, den blau-weißen "Kieler Blusen" und dunklen Anzügen.

Krumbiegel ist nicht das einzige Mitglied der Prinzen, das im Thomanerchor singen lernte. Seine Bandkollegen Tobias Künzel, Wolfgang Lenk und Henri Schmidt hatten den Großteil ihrer Schulzeit ebenfalls im Internat des Chors verbracht, nur Jens Sembdner war mit dem Dresdner Kreuzchor auf Konzertreisen gefahren. Nachdem Krumbiegel und Lenk 1982 die Band Phönix gegründet hatten, firmierten die vier früheren Thomaner ab 1987 unter dem Namen Die Herzbuben. Schon in der DDR traten sie mit A-capella-Stücken auf, ab 1991 in der vereinigten Bundesrepublik dann zusammen mit Künzel als Die Prinzen - wegen der Verwechslungsgefahr zu den beiden volkstümlichen Schwergewichten Die Wildecker Herzbuben aus Hessen.

"Dass ich als Thomaner Populärmusik machen wollte, wurde damals nicht so gern gesehen", erinnert sich Krumbiegel. "Ich sollte den Ruf des Thomanerchors nicht beschädigen." Auch wenn er 1985 froh gewesen sei, den Chor zu verlassen, sehe er das inzwischen anders und "würde nie etwas Negatives über die Thomaner sagen". Inzwischen besuche er "extrem oft" klassische Konzerte.

Wochenend-Hausarrest

Damals, zu seinen Zeiten als Chorsänger, hatte er wie vermutlich fast jedes Chormitglied auch Strafen zu verbüßen, wenn er gegen die internen Regeln verstoßen hatte. An einem Wochenende, an dem er mit seinem Bruder heim zur Familie hatte fahren wollen, musste er beispielsweise einen Hausarrest im "Kasten", dem Thomaner-Internat, absitzen. "Ich war beim Rauchen erwischt worden und musste dann Liedtexte von Queen übersetzen", berichtet Krumbiegel.

Das Erziehungssystem im Chor, das auf Unterordnung basiere, bezeichnet er als gewagt. Er wisse aber auch nicht, "wie man es besser machen könnte". Noch heute, 27 Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Chor, kann Krumbiegel minutiös den "hammermäßig geregelten Tagesablauf" auswendig aufsagen. Um 6.30 Uhr wurden und werden auch heute die Jungen erbarmungslos geweckt, für das Mittagessen war und ist eine Viertelstunde Zeit eingeplant, und "ab der neunten Klasse durften wir abends auch raus".

Die Reisen, die der Chor für seine Konzerte rund um den Globus unternimmt, habe er hingegen "immer als Spaß empfunden, das war nie Stress für mich", wie Krumbiegel sagt. Für seine aktuelle Tour reist er von März bis Mai quer durch Deutschland, "solo am Piano". Am klassischen Instrument Klavier fühlt er sich eben zu Hause, wie auch bei musikalischen Auftritten in Kirchen.

Sebastian Krumbiegel: "Solo am Piano", 5. Mai, 21 Uhr, Kulturfabrik Hoyerswerda (03571/405 980).