Vielleicht ist es genau diese Geradlinigkeit, die ihm schon etliche Preise eingebracht hat - darunter vier Adolf-Grimme Preise, drei Bayerische Fernsehpreise und den deutschen Fernsehpreis. Die Jury des Robert-Geisendörfer-Preises bescheinigte ihm 2004 "genaue und einfühlsame Beobachtungsgabe, handwerkliche Präzision und künstlerischen Stilwillen". Am heutigen Freitag feiert Baier seinen 60. Geburtstag. Das genaue Beobachten lernte Jo Baier während seiner Arbeit für den Bayerischen Rundfunk, mit der er sich in München sein Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Amerikanistik finanzierte. Seit 1976 drehte er mehr als 60 Dokumentarfilme - eine Schule, die sein gesamtes späteres filmisches Schaffen prägte. Das Thema Stadt - Land prägt viele Filme Baiers und hat mit seiner Herkunft zu tun. 1949 in München geboren, wuchs Joseph Baier im oberbayerischen Dorf Dietramszell auf. Einerseits liebte er das Land, den Wald, die Berge. Andererseits fühlte er sich als Arbeiterkind unter Bauern, das sich noch dazu gerne verkleidete, stets als Außenseiter. Das Landleben beschreibt er als eine Art Brennpunkt für private und soziale Konflikte: "So ein Bauerndorf ist ja wie so ein Wassertropfen, in dem sich die Welt spiegelt, Sie kriegen alles mit, was die Menschen bewegt und beschäftigt." Das Landleben ist auch Thema seines mit den meisten Einzelpreisen ausgezeichneten Films "Der Laden" über eine Bäcker-Familie in einem Lausitzer Dorf von 1919 bis 1949. Nach einer überaus schwierigen Realisierung war der Dreiteiler nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Kino erfolgreich. Seine Hauptfiguren sind oft unangepasste Charaktere. So ein Unangepasster war auch Walter Sedlmayr. 2000 gelang Jo Baier mit "Wambo" ein intimes Porträt des bayerischen Volksschauspielers, dargestellt von Jürgen Tarrach, der homosexuell, mit Kontakten in die Stricherszene, ein Doppelleben führte und im Juli 1990 unter mysteriösen Umständen ermordet wurde. "Der Februar ist die ungünstigste Zeit, um Geburtstag zu haben", lacht er, das sei für ihn die arbeitsreichste Zeit im Jahr. Und so wird er den Tag wieder im Schneideraum verbringen mit seinem neuen Kino-Spielfilm "Henri 4", der Ende 2009 ins Kino kommen soll. Basierend auf dem Roman von Heinrich Mann erzählt der Film die bewegende und blutige Geschichte des französischen Königs Henri Quatre, der im 16. Jahrhundert regierte und der Zeit seines Lebens gezwungen war, Krieg zu führen, obwohl er dies ablehnte. Sieben Jahre dauerte die Vorbereitung, 19 Millionen Euro teuer ist die internationale Produktion, 180 Mann stark das Team. Dies sei für ihn das größte Filmabenteuer seines Lebens, beschreibt er sein bisher ehrgeizigstes Projekt, "ein Traum, der wahr wird".