"Die Sachen sind sicher, wir hätten uns eigentlich ausruhen können", sagt Lars Weber, Musikpädagoge an der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" in Elbe-Elster, wenige Tage vor dem Finale des diesjährigen EnviaM-Musikwettbewerbs. Das aber würde weder zu ihm noch zu seinen Schützlingen passen. Natürlich wurde in den Herbstferien fleißig geprobt - sowohl gemeinsam als auch individuell.

Seit 2002 unterrichtet Lars Weber in Finsterwalde Schlagzeuger. Im gleichen Jahr gründete er das Nachwuchsensemble "Weberknechte" für seine talentiertesten Schüler.

Weil nicht für jeden Schlagzeuger eine Band greifbar ist, bietet sich ein Percussion-Ensemble zum Erfahrungsammeln an. Das Spiel der "Weberknechte" wird dominiert von Marimba beziehungsweise Marimbafon, Vibrafon und Schlagzeug. Die Marimba ist ein sehr junges Instrument, das es in seiner jetzigen Form und Größe erst seit etwa 25 Jahren gibt. Auf der Marimba ist nahezu alles möglich. Das Repertoire reicht von Arrangements von Bach, Mozart, Ravel über Weltmusik und Jazz bis hin zu neuer experimenteller Musik. Lars Weber selbst entdeckte seine Liebe zu gestimmten Schlaginstrumenten nach dem musikpädagogischen Studium an der Hochschule Lausitz Cottbus. Vor allem die Marimba hat es ihm angetan. Er belegte einen Meisterkurs bei Ney Rosauro und holte den brasilianischen Starmusiker, der in Deutschland studiert hat und in Miami lebt und arbeitet, 2013 für drei Tage zu einem Meisterkurs und Konzert in die Sängerstadt Finsterwalde.

Inzwischen schwingt schon die zweite Generation bei den "Weberknechten" die Schlegel. Obwohl die Übergänge fließend sind. Denn: Friedrich Körner beispielsweise hat als Knirps am Schlagzeug angefangen und schaffte es mit der Ursprungsbesetzung des Ensembles 2009 bis zum Bundeswettbewerb "Jugend musiziert". Wie Leon Henze, der Marimbaspieler, gehört er zur Jungen Philharmonie Brandenburg, dem Landesjugendsinfonieorchester, mit dem er auf Amerika-Tournee war. Friedrich ist zudem Schlagzeuger bei den Jazzhamsters in Cottbus und der Big Band der Kreismusikschule Elbe-Elster.

Zur aktuellen Besetzung der "Weberknechte" gehören außerdem Tobias Ertle, Moritz Bubner, Pascal Städter, Moritz Thiele und Tim Rudolf. Der Älteste ist Leon. Er gehört zum Abiturjahrgang des Sängerstadt-Gymnasiums. Voll des Lobes ist Weber über sein Ensemble. Er sagt: "Was wir hier machen, ist schon fast semiprofessionell." Mehrere von den Jungs können mit vier Schlegeln spielen - "das ist einmalig in Brandenburg", meint Weber. Das Percussion-Ensemble ist - in wechselnden Besetzungen - mehrfacher Bundespreisträger von "Jugend musiziert" und holte beim EnviaM-Wettbewerb in diesem Jahr einen 1. Preis in der Altersgruppe II, der sie ins Finale am heutigen Samstag katapultiert hat. Sie bestreiten das ganze Jahr über viele Auftritte und Konzerte und haben sogar schon beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue gespielt. Gewöhnt haben sie sich an den Aufwand, eine Stunde vorher und nachher die Instrumente auf- und abbauen zu müssen. Ein Flötenspieler hat es einfacher. "Dafür haben wir den besseren Sound", kontert Weber. Der 38- Jährige ist seinen Schülern Lehrer,

Ensembleleiter, väterlicher Freund und Vorbild. Wie bringt er sie aber so nah an die Perfektion? "Ich kann nur erzählen, was man erreichen kann. Alles andere muss von ihnen kommen. Sie beschäftigen sich halt sehr mit dem Instrument", sagt Weber. 38 Musikschüler betreut er. Dass es bei ihm schon mal eine lange Warteliste gab, überrascht nicht.

Was gespielt wird, entscheiden alle. Weber schlägt vor, findet Stücke im Internet, und über den schnellen Facebook-Kontakt wird beratschlagt. "Gegen den Strich bringt gar nichts", spricht der Pädagoge in ihm.

Als Voraussetzung bräuchten Percussionschüler natürlich ein bisschen Rhythmusgefühl. "Aber", schiebt Weber sofort nach, "zuerst stehen der Fleiß und die Bereitschaft, in der Freizeit zu üben." Pascal Städter zum Beispiel hat für das EnviaM-Finale extrem viel geübt. "Von seinem Konfirmationsgeld hat er sich ein eigenes Vibrafon gekauft", staunt Lars Weber. "Zum Finale geht es um Perfektion und Tempo", sagt Weber, der selbst Schlagzeuger in mehreren Bands ist. Aufeinander hören und Blickkontakt sind bei sieben Leuten ohne Dirigent enorm wichtig. Unmittelbar vor dem Wettbewerb wurde fast täglich geprobt. Das festigte das Zusammenspiel.

Der Ensemble-"Vater" indes hofft sehr auf die Akustik im Staatstheater und wünscht sich, dass die Schüler ihren Auftritt auch genießen können.

Zum Thema:
Seit acht Jahren veranstaltet das Energieunternehmen enviaM in Zusammenarbeit mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen einen der bedeutendsten Musikwettbewerbe für das Ensemblespiel. Ausgetragen wird der zweistufige Wettbewerb in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. 256 Musiker in mehr als 70 Ensembles haben sich 2014 daran beteiligt. Die Finalisten 2014 sind: Akkordeon-Quintett Stassfurt (Sachsen-Anhalt), Streichduo Diana & Bobby (Sachsen) und Die Weberknechte Finsterwalde (Brandenburg). Finale heute 18 Uhr im Staatstheater.