Was interessiert Sie an diesem Stück von Tennessee Williams„
Ich bin schon lange ein Fan von ihm. Die psychologische Genauigkeit, mit der er seine Figuren beschreibt - eine Mischung von Ibsen und Tschechow - interessiert mich. Etwas von Tennessee Williams zu inszenieren, ist ein lange gehegter Wunsch, den ich mir jetzt mit meinem Lieblingsstück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ erfülle.
Ich mag aber auch sehr „Die Glasmenagerie“ oder „Endstation Sehnsucht“ . In all diesen Stücken gibt es tolle Rollen für Schauspieler und sie haben viel mit unserem Leben zu tun. Bei Williams geht's ja immer ums Ganze. Um die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich finde, niemand hat sie so auf den Punkt gebracht wie er.

Ist es nicht ein Wagnis, nach einem tollen Film die Geschichte nun noch mal im Theater zu erzählen“
Das Problem hat man immer, wenn es einen Film gibt. Das Stück war aber zuerst da und wenn man es liest, erfährt man, dass der Film auch nur eine Variation ist. Er ist Hollywood der 50er-Jahre - sehr brav. Die Konflikte sind bei Williams viel extremer, die Figuren viel reichhaltiger, differenzierter und konkreter beschrieben.
Elizabeth Taylor überstrahlte den ganzen Film, an sie können sich die meisten Leute erinnern, vor allem an ihren Sex-Appeal. Von der Handlung wissen die meisten nicht mehr allzu viel.

Sie haben diese Spielzeit unter die thematische Klammer „Mut zum Leben“ gestellt. Wozu braucht man ein Motto„
Ich finde es schöner, mich inhaltlich zu beschränken und damit auch zu konkretisieren. Das Angebot im Schauspiel ist unendlich, es gibt unheimlich viele Stücke, am liebsten möchte man alles inszenieren. Wie wählt man also aus, wie setzt man Prioritäten“ Diese thematische Ausrichtung hilft mir bei der Auswahl. Aber sie ist auch für das Publikum Orientierung, es erfährt, woran wir arbeiten, was uns wichtig ist.
In der kommenden Spielzeit wollen wir versuchen, für alle Sparten so eine übergeordnete Thematik zu finden.

Warum ausgerechnet „Mut zum Leben“ „
Weil sich darin ausdrückt, wie ich mich als Künstlerin zu den sozialen Prozessen in unserer Gesellschaft verhalte. Das Elend ist groß und das Gejammer auch, beides nimmt zu. Nun könnte man das Elend beschreiben, den Fokus auf das Schlimme richten, oder man geht den anderen Weg und sagt: Es ist schlimm, aber es ist auch immer ein Hoffnungsschimmer da. Ein zweiter Grund ist, dass das Große Haus wieder geschlossen wird, wir mit Interimslösungen klarkommen müssen und wir also auch als Macher Mut brauchen. Auch hier geht es darum, nicht nur die negativen Dinge zu sehen, sondern sich den neuen Herausforderungen zu stellen, zum Beispiel fehlende technische Möglichkeiten mit Fantasie zu kompensieren. Wir haben neue Spielorte entdeckt - das Lehrgebäude 9 mit „Ladys Night“ , das Kulturhaus am Bonnaskenplatz mit „Feuerwerk“ .

Mit welchen Stücken machen Sie Mut zum Leben“
Na ganz klar mit „Ladys Night“ , wo sich Arbeitlose als Stripper versuchen, um doch noch eine Chance im Leben zu haben. „Katze auf dem heißen Blechdach“ beinhaltet für mich die Frage nach der Wahrheit - wie viel Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, wie richten wir uns ein in unserem Leben und wie viel Mut brauchen wir eigentlich, um der Wahrheit ins Gesicht zu schauen„ In der „Dreigroschenoper“ ist zu erleben, welche Kraft in den unteren Schichten steckt, was ist, wenn die aufstehen, wenn die sich wehren“
Wenn sie das System von Korruption und Machtmissbrauch durchschauen und durchbrechen. „Pension Schöller“ gehört dazu. Wenn Philipp Klapproth auf die alten Tage unbedingt noch mal nach Berlin will, um sich seinen großen Traum zu erfüllen. Der will nicht in der Provinz versauern und sich aufs Altenteil abschieben lassen.
In „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ spielt Erika Kerner, übrigens ihre große Abschiedsrolle, eine ältere Dame. Lily lebt alleine in einem Neubaugebiet und hat plötzlich die Idee, Tanzstunden zu nehmen. Sie engagiert einen jungen Tanzlehrer, mit dem sie einen zweiten Frühling erlebt. Anfangs sind da nur die Extreme. Er ist nicht der galante Herr, den sie sich vorgestellt hat, sie nicht mehr jung und knackig.
Aber die beiden kommen sich näher, indem sie sich voneinander erzählen. Zwei extreme Charaktere, die sonst nie miteinander zu tun hätten, finden auf sehr berührende Weise zusammen. Man sieht also, das Leben hält Überraschungen bereit, wenn man dafür offen ist und sie zulässt.

Aber „Romeo und Julia“ geht doch traurig aus.
Ja, aber wie viel Mut zur Liebe haben diese beiden jungen Menschen - und sei sie noch so aussichtslos. Man weiß ja, wenn man etwas beginnt, nicht, dass es traurig endet. Und selbst mit dem traurigen Ende sendet das Stück doch das Signal aus: Lasst euch trotz aller Hoffnungslosigkeit nicht die Lust am Leben nehmen und nicht am Lieben. Man kann doch nicht sagen: Ach, es geht ohnehin tragisch aus, also braucht man es gar nicht zu versuchen. Doch, man muss. Man muss es bloß besser organisieren.

Sie machen den Eindruck, als würde es Ihnen auch in der zweiten Spielzeit als Oberspielleiterin in Cottbus noch Spaß machen.
Mir macht es wieder Spaß. Die erste Spielzeit war schon heftig. Ich war neu und musste als erstes eine Interimsspielzeit vorbereiten, mit der Schwierigkeit, nicht zu wissen, wo die Stücke stattfinden werden. So langsam zieht etwas Normalität ein, ich inszeniere wieder und weiß, warum ich hier als Oberspielleiterin begonnen habe.
Aber in der ersten Spielzeit drohte mich der Mut schon manchmal zu verlassen. Auch deshalb „Mut zum Leben“ . Den habe ich gebraucht.

Mit BETTINA JAHNKE
sprach Renate Marschall

Zum Stück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“
 Alle sind gekommen, um Big Daddys 65. Geburtstag zu feiern. Es wird sein letzter sein, was einzig der Jubilar nicht weiß. Sein Sohn Gooper mit Frau und fünf Kindern steht schon bereit, das enorme Vermögen und die riesige Baumwollplantage zu übernehmen. Für Big Daddys Lieblingssohn Brick zieht seine Frau Maggie - die Katze - in den Kampf. Brick erträgt die Wirklichkeit, die für ihn einzig von Heuchelei und Verlogenheit bestimmt, ist nur noch im Rausch. Aber Maggie hat noch nicht aufgegeben. Sie will Bricks Liebe zurückgewinnen und setzt all ihre Kraft daran, diesen Teufelskreis aus Lüge, Heuchelei und Selbsttäuschung zu durchbrechen.