Mit der Exposition werden zugleich drei weitere frisch renovierte Ausstellungsräume im Schloss eingeweiht. Damit kann die Sammlung Lausitz die Ergebnisse ihrer über Jahrzehnte reichenden Sammlungstätigkeit erstmals angemessen präsentieren."50 Werke von 50 Künstlern", das Programm dieser Ausstellung beschreibt zugleich das Dilemma, in dem sich Bernd Gork, langjähriger Leiter der Sammlung, befand: Er musste streng auswählen, aus 2500 Werken von 120 Künstlern. Es sind Arbeiten der Malerei, Grafik, Plastik von bildenden Künstlern, die in der Nieder- und Oberlausitz leben oder lebten, hier geboren sind oder über ihre Arbeiten einen Bezug zur hiesigen Landschaft herstellen. Die Reihe der Namen reicht von Georg Baselitz bis Klaus Zylla. Vertreten sind Künstler verschiedener Generationen, Stile und Malschulen, die in der Ausstellung miteinander in Kontakt treten. Das Programm wird gleich am Eingang deutlich, wo Walter Besigs "Sommer in Schraden", eine fast im Stil des 19. Jahrhunderts gehaltene Landschaftsidylle, Eckhard Böttgers "Tagebaurestloch" gegenübersteht. "Es geht um die Geschichte dieser Landschaft, darum, wie Menschen sie für sich genutzt, sie verändert haben", erklärt Bernd Gork das Anliegen. Mehrere Arbeiten beschäftigen sich mit den Eingriffen des Kohleabbaus in die Landschaft - etwa Jan Bucks "Tagebau II" oder Gerhart Lampas "Erster Schnee". "Spielendes Kind am Grab eines Umformers" ist ein eher bissiger Kommentar von Reinhard Sander, ebenso wie Horst Webers "Kohlengrubenloch und ein Stück Friedhof". Viele der Werke sind zu DDR-Zeiten entstanden, setzen sich manchmal offen, manchmal verschlüsselt mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander, passen so gut zum Kulturlandjahr, das sich mit nur sechs Veranstaltungen ansonsten in unserer Region etwas rar macht. ". . . über meine Wut" nannte ERNA ein 1989 entstandenes Bild. Dietrich Lusici malte 1987 eine "Vergitterte Landschaft". Beispiele dafür, dass Kunst den Weg zur Freiheit findet, schon immer fand, unter allen Bedingungen. Insofern könnte sich diese kleine Ausstellung mit dem ähnlichen Titel als Gegenpol zu "60 Jahre, 60 Werke" im Berliner Gropiusbau verstehen, die bewusst völlig ohne DDR-Kunst auskommt. Der Schriftsteller Christoph Hein hat sich mit der Begründung der Berliner Ausstellungsmacher unter der Überschrift "Freiheit, die ich meine" in der Zeitung "Freitag" beschäftigt. Die Ostdeutschen seien nämlich ausgeschlossen worden, "weil sie in einer Diktatur lebten und arbeiteten", zitiert Hein den Ausstellungskatalog. Er schreibt: "Wenn wir nach ihrem Verdikt (dem der Ausstellungsmacher, d. Red.) die Kunst beurteilen, sichten und bewahren wollten, müssten wir mehr als 95 Prozent der Kunstwerke der letzten Jahrtausende löschen." Wer sich von künstlerischer Qualität und gesellschaftlicher Relevanz ostdeutscher Kunst überzeugen will, sei zur Begegnung mit 50 Künstlern und ihren Werken nach Senftenberg eingeladen. Erstaunlich, was diese kleine Ausstellung bietet.