Sie hat den historischen Herbst-Impuls gesetzt, der die Verhältnisse zum Tanzen und das Land zum Demonstrieren gebracht hat", sagte der Anwalt, der am heutigen Dienstag 65 Jahre alt wird.Die neuen Verhältnisse mitzugestalten, sei der Bürgerrechtsbewegung aber von vornherein nicht möglich gewesen, meint der Mitbegründer des "Neuen Forums". "Sie hat nicht einmal den Versuch gemacht, die wissenschaftlich-technische Intelligenz der DDR in die Bewegung einzubeziehen." Er selbst habe damals auf ein marktwirtschaftliches System gesetzt, das es mit dem Abbau von vormundschaftlicher Bürokratie ernst nimmt. "100-prozentig wohler als in der DDR fühle ich mich allemal", sagt Henrich zugleich.Als "politischer Mensch" betrachtet sich der gebürtige Magdeburger nicht, obwohl er ein wenig zum Sturz des DDR-Regimes beigetragen hat. Der Jurist - einst SED-Parteisekretär des Kollegiums der Rechtsanwälte im Bezirk Frankfurt (Oder) - verfasste den Text "Der vormundschaftliche Staat. Vom Versagen des real existierenden Sozialismus", der im Frühjahr 1989 ohne Genehmigung der DDR-Behörden im westdeutschen Rowohlt Verlag (Reinbek bei Hamburg) erschien und der DDR-Opposition als Rüstzeug diente. Danach bekam er Berufsverbot.Dank des Mauerfalls währte dies nur kurz. Danach arbeitete Henrich wieder als Anwalt in Eisenhüttenstadt. Zum 40. Jahrestag des Mauerbaus schrieb er den Roman "Die Schlinge". Es geht um einen Anwalt, der einen General vertreten muss, der als Schreibtischtäter für Tote und Verletzte an der deutsch-deutschen Grenze verantwortlich ist. Derzeit plant er ein weiteres Buch. Arbeitstitel: "Unterwegs ins Offene. Gedanken und Erinnerungen." dpa/mar