Denn spätestens nach den ersten Filmminuten war der Verstand ohnehin blockiert - durch Angst.

Die Tatort-Folgen aus Kiel gehören ohnehin zum Besten, was die ARD zu bieten hat, doch an diesem Sonntag übertrafen sich Axel Milberg alias Klaus Borowski und seine Partnerin Sibel Kekilli einmal mehr selbst. Der Kameraführung von Philip Peschlow gelang es, den Zuschauer von der ersten Sekunde an ungewollt zum Voyeur zu machen, Zeuge einer Tat zu werden, die lange unverständlich blieb. Da wurde an der Kieler Förde eine verwirrte und völlig verängstigte Frau gefunden, die Borowski zunächst einmal nur lästig ist. Doch schon bald gibt es erste Hinweise, dass der berüchtigte Frauenmörder Kai Korthals (genial: Lars Eidinger) wieder aufgetaucht ist.

Kommissarin Brandt wird mit ihrem eigenen Trauma konfrontiert, verliert nahezu die Fassung - und muss dennoch ihren kühlen Verstand bewahren. Der Serienkiller entführt Borowskis Liebe, die Psychologin Frieda Jung (Maren Eggert). Beklemmend, wie schnell Borowski jede Distanz verliert und sich bei Korthals anbiedert, um seine Braut zu retten. Beklemmend, realistisch - und am Ende sehr traurig.