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| 17:01 Uhr

Filmwoche in Burg
Filmlust auf Chinesisch

Szene aus dem Film „The Assassin Underdog“. Er wird am Freitag um 17 Uhr in Burg gezeigt. 
Szene aus dem Film „The Assassin Underdog“. Er wird am Freitag um 17 Uhr in Burg gezeigt.  FOTO: Delphi Filmverleih
Burg . Das Reich der Mitte steht im Fokus der 5. Internationalen Filmwoche im Hotel Bleiche in Burg, die am Montagabend eröffnet wurde. Von Renate Marschall

Mit den jungen Wilden – denen des Deutschen Films – hatte 2013 alles angefangen. Am Montagabend nun wurde die inzwischen 5. Internationalen Filmwoche im Hotel Bleiche in Burg eröffnet. Nach der japanischen, russischen und dänischen steht in diesem Jahr die chinesische Cinematografie im Mittelpunkt. „Wir suchen aus, worauf wir Lust haben“, sagt Christine Clausing, die gemeinsam mit ihrem Mann das Hotel führt. Es ist eine Lust auf Filme, die es nicht so oft zu sehen gibt – oder die überhaupt nicht in deutsche Kinos kommen, weil ihnen der Verleiher fehlt, für die es aber offenbar ein begeistertes Publikum gibt. Schon am Eröffnungsabend waren die kleinen, gemütlichen Landtherme-Lichtspiele – man könnte auch Kino-Wellness-Lounge sagen – gut besucht. Wie zu hören war, von Wiederholungstätern.

Voller Leidenschaft erzählt Christine Clausing von einzelnen Regisseuren, Kameraeinstellungen, von Geschichten, die unter die Haut gehen. Geradezu zu leuchten beginnen ihre Augen, wenn sie mit Seitenblick auf Akos Doma – Autor, Cineast, Spreewaldstipendiat und ihr kongenialer Partner in Sachen Filmwoche – schon mal über 2019 nachdenkt. „Ich liebe Bollywood und das indische Kino.“

Wir sind gespannt. Aber zunächst öffnet Akos Doma die Schatzkiste chinesischer Filmkunst, in der er vorher ausgiebig gestöbert hat. „Oft sind wir selbst überrascht, was es an künstlerisch hochwertigen Filmen gibt“, erzählt er. Wichtig sei auch, einen Querschnitt aus verschiedenen Jahrzehnten zu zeigen. Mit „The Goddess“ (Die Göttin) beispielsweise steht am Donnerstag ein Stummfilm von 1934 auf dem Programm. Eine alleinstehende Mutter muss sich prostituieren, um die Schulbildung ihres Sohnes zu finanzieren. Ihre verzweifelten Versuche, sich wenigstens ein bisschen Würde zu bewahren, scheitern an der Scheinmoral der Gesellschaft. Dass dieser Film gezeigt werden kann, ist dem Konfuzius-Institut Berlin zu danken.

Noch bis 2. März werden pro Tag bis zu vier Filme aus dem Reich der Mitte gezeigt. Der Hauptfilm, zu dem Akos Doma jeweils eine kurze Einführung gibt und mit Filmgespräch danach, läuft jeweils um 17 Uhr. Den Auftakt machte „Heimweg“ (1999) von Zhang Yimou, eine berührende Liebesgeschichte, die zugleich viel über Traditionen, das Leben und die Geschichte Chinas erzählt.

Der junge, erfolgreiche Geschäftsmann Luo Yusheng kehrt in sein Heimatdorf zurück, um dort seinen Vater zu beerdigen. Doch seine Mutter besteht darauf, dies nach alter chinesischer Tradition zu tun, ihn vom Krankenhaus kilometerweit in sein Heimatdorf zu tragen. Welche ein Aufwand. Lou kann das nicht verstehen.

Das ändert sich, als die Mutter die bewegende Geschichte ihrer Liebe erzählt: Vor vierzig Jahren kam Luo Changyu als Lehrer in das Dorf der 18-Jahre jungen Zhao Di. Sofort verliebte sie sich. Doch Luo wird, ein Opfer der Kulturrevolution, in die Stadt zurückbeordert.

Zhao Di hält fest an ihrer Liebe. Zhang Yimou erzählt das mit großartigen Schauspielern und emotionalen Bildern. Ein Film, in dem es auch um den Verlust von Tradition geht, was in der folgenden Diskussion eine große Rolle spielte. Bis hin zu der Feststellung, dass neuere Chinesische Film immer stärker dem Mainstream folgen. Viele interessante Einblicke in das Leben im heutigen China gab Dagmar Yu-Dembski vom Konfuzius-Institut.

Heute steht „Tuyas Hochzeit“ auf dem Programm. Der Film von Wang Quan‘an stammt aus dem Jahr 2006 und gibt Einblick in die bedrückende Lebensgeschichte der hübschen Tuya. Auf der Suche nach Wasser hat deren Ehemann Bater in der Steppe beide Beine verloren. Krank durch die harte Arbeit, kann Tuya die Familie nicht mehr unterhalten. Sie muss sich scheiden lassen, um einen neuen Ehemann und Versorger für die Familie zu finden – auch für Bater.

Krönenden Abschluss der Filmwoche bildet am Freitag Hou Hsiao-Hsiens 2015 bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnetes Meisterwerk „The Assassin“. Im China des neunten Jahrhunderts kehrt die junge Nie Yinniang nach 13 Jahren in ihre Heimat zurück. Einst entführt, wurde sie zur tödlichen Attentäterin ausgebildet. Doch schon ihr erster Auftrag bringt sie an Grenzen. Gouverneur Tian Jian, den sie töten soll, ist der Mann, den sie über alles liebt. Produzent Claus Boje, Geschäftsführer von Delphi Filmverleih, wird im Filmgespräch zu diesem Streifen Rede und Antwort stehen.

Eine Woche voller Kino fürs Herz und den Verstand, in dessen Mittelpunkt starke Frauen stehen. Jede für sich findet ihren Weg, dabei oft mutig hindernde Konventionen hinter sich lassend.