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| 17:15 Uhr

27. Filmfestival Cottbus
Preisregen für das polnische Kino beim 27. Filmfestival in Cottbus

Preisverleihung vom Filmfestival 2017 FOTO: Von Michael Helbig
Cottbus. Vier Lubinas gehen in das Nachbarland. Das Festival meldet mit 21 000 Besuchern einen neuen Rekord. Peter Blochwitz

Das Cottbuser Filmfestival ist auch in der  27. Auflage für Überraschungen gut. Dass alle vier Lubinas – Bester Film, Beste Regie, Beste  Hauptdarstellerin, Bester Hauptdarsteller – in ein einziges Land gehen, hat es noch nicht  gegeben. Obendrein wanderten  drei weitere Preise nach Polen, unglaublich – wszystkiego najlep-
szego, herzlichen Glückwunsch!

Bester Film: „Wilde Rosen“ von der ob der  vielen  Ehre völlig perplexen  Anna Jadowska. Das Psychogramm einer jungen Mutter in der polnischen Provinz veranlasste die  Internationale Festivaljury zu diesem Urteil: „Wir haben diesen Film ausgewählt, weil er der weiblichen Hauptfigur eine Stimme gibt. Sie erreicht damit unsere Herzen. Bewundernswert ist die Kombination aus visueller Vielfalt, einem hervorragenden Ton und vollendetem Filmschnitt. So wird das Betrachten des Films fast zu einer körperlichen Erfahrung.“ Der Film wird getragen von Marta Nieradkiewicz, die auch die Lubina als  herausragende Darstellerin erhielt.

Der Spezialpreis für die beste Regie ging an „I’m a Killer“ von Maciej Pieprzyca. Die Begründung der Jury: „Der Regisseur nutzt eine breite Palette künstlerischer und filmischer Techniken, um seinem Publikum einen sorgfältig konstruierten und hochspannenden Handlungsablauf zu präsentieren. Dabei bleibt sich der Film immer treu und schafft ein lebendiges, psychologisches Portrait seiner Hauptfigur. Der Spezialpreis für die Beste Regie geht an einen visuell beeindruckenden Film, der sich fast unmerklich von einem Krimi in eine tiefe und gründliche Analyse der Verderbtheit der menschlichen Seele verwandelt.“

Mirosław Haniszewski, der als he-
rausragender Hauptdarsteller geehrt wurde, spielt in „I’m a Killer“ einen Kommissar im Polen der 70er-Jahre, der einen Serienkiller aufspüren muss. Er präsentiert schließlich einen Verdächtigen, doch gibt es keine Beweise. Längst mit einer großen Wohnung, einem Farbfernseher und anderen Privilegien belohnt, manipuliert und bedroht der Kommissar den Angeklagten, um diese Beweise ranzuschaffen . . .  Dass der Streifen auf wahren Begebenheiten beruht, verleiht ihm zusätzliche Würze.

Marta Nieradkiewicz wurde als herausragende Darstellerin geehrt, ihr Film „Wilde Rosen“ gewann zudem den Hauptpreis des  Festivals.
Marta Nieradkiewicz wurde als herausragende Darstellerin geehrt, ihr Film „Wilde Rosen“ gewann zudem den Hauptpreis des  Festivals. FOTO: Ant!pode

Über den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis freute sich der tschechische  Oscar-Preisträger Jan Sverák („Kolya“). Sein aktueller Film „Barfuß“ erzählt in poetischen Bildern von dem kleinen Prager Jungen Eda, der in der Zeit der deutschen Besatzung der Tschechoslowakei mit seiner Familie aufs Land ziehen muss und dort neue Freunde findet. Typischer Sverák. Dass er sich wieder mal in die Herzen der Zuschauer gespielt hat, war keine Überraschung.

Es gab ein paar andere. Die Preisverleihung in der Stadthalle Cottbus moderierte diesmal charmant „Barfrau“ Ulrike Finck vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, sie hatte  DJ Florian Pfefferkorn als musikalische Unterstützung – das war erfrischend. Man könne sich sogar vorstellen, seine Side-Kick-Rolle auszubauen. Eine gute Idee war auch, die Wettbewerbsfilme in Vierer-Blöcken zu teasern.

Leider gab es wie bei der Eröffnung am Dienstag im Staatstheater, als Sandow-Sänger Kai-Uwe Kohlschmidt kaum zu verstehen war, ein paar technische Probleme. Warum müssen Jury-Mitglieder, nachdem sie auf die Bühne gerufen werden,  im Dunkeln stehen? Wieso werden Kopfhörer für die Übersetzungen nicht – wie sonst üblich – direkt am Saaleingang bereitgehalten?  Und vor  allem: Weshalb wird in der Öffentlichkeit verbreitet, die Preisverleihung sei nur etwas für geladenen Gäste – um dann auf einem Stapel Eintrittskarten sitzenzubleiben? Schade war schließlich  auch, dass diesmal auf den Abschlussfilm verzichtet wurde.

Resümee: Es wurde wieder vielschichtiges, nicht seltern hochklassiges osteuropäisches Kino geboten. An sieben Tagen hat das 27. Filmfestival Cottbus fast 200 Filme aus 42 Ländern präsentiert – darunter acht Weltpremieren, 25 Internationale Premieren und 85 Deutschland-Premieren. Und: Hatte sich das Festival in den vergangenen Jahren bei einer Besucherzahl um die 20 000 eingepegelt, git es nun mit mehr als  21 000 Besuchern  einen neuen Rekord zu veremelden.

„Wir blicken zufrieden zurück auf eine wunderbare Festivalwoche. Die Cottbuserinnen und Cottbuser haben sich als hervorragende Gastgeber erwiesen. Zudem zeigt unser Rekord, dass wir in den Herzen der Menschen angekommen sind“, freut sich Festival-Geschäftsführer  Andreas Stein .

Das Publikum kann sich auf des nächste Festival freuen. Das  findet vom 6. bis 11.November 2018 statt.

Trailer von den Festivalfilmen kann man sich ansehen unter www.youtube.com/filmfestivalcottbus.de

Filmfestival 2017 - Logo - sw
Filmfestival 2017 - Logo - sw FOTO: Filmfestival Cottbus / LR