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| 16:25 Uhr

27. Filmfestival Cottbus
Die vier letzten Wettbewerbs-Spielfilme starten

„Wilde Rosen“:  (Ewa)  Marta Nieradkiewicz im Chaos. 
„Wilde Rosen“:  (Ewa)  Marta Nieradkiewicz im Chaos.  FOTO: Ant!pode
Cottbus. . Peter Blochwitz

Es geht ins Festival-Finale: Am heutigen Freitag starten die vier letzten von insgesamt zwölf Spielfilmen im Hauptwettbewerb.  In der Langen Nacht der kurzen Filme sind die zehn Beiträge im Kurzfilmwettbewerb zu sehen .Im Wettbewerb U18 Jugendfilm stehen heute und am Sonnabend noch vier Produktionen auf dem Programm.

Im Spielfilmwettbewerb setzt sich eine  Grundtendenz fort: „Die Helden des osteuropäischen Films sind nie gut oder schlecht gewesen, sie waren immer beides gleichzeitig“, erläutert Programmdirektor Bernd Buder.

Gebrochene Helden: Da ist der Werbemanager und Schriftsteller Emil mit Kontrollzwang. Er installiert Überwachungskameras im Büro seiner Frau, einer Psychotherapeutin, im Badezimmer seines Schwiegervaters, und in seiner Firma.  Emil vertieft sich in die Intimitäten seiner engsten Verwandten und Kollegen und will ein Buch drüber schreiben. Aber sein Überwachungswahn läuft aus dem Ruder. „Omnipräsent“ von Ilian Djevelekov aus Bulgarien zeigt schöne Menschen, ist durchaus witzig und hat eine bittere Pointe. Er läuft am heutigen Freitag um 14.30 Uhr und am Sonnabend um 17.30 Uhr im Weltspiegel.

Ein überraschendes Finale bietet auch die polnische Regisseurin Anna Sadowska in „Wilde Rosen“. Die 27-jährige Ewa kehrt nach einem Klinikaufenthalt  zu ihren zwei Kindern zurück und wird von ihrer  sechsjährigen Tochter nur wüst beschimpft. Ihr Mann war lange in Norwegen arbeiten – nach seiner Rückkehr leben beide aneinander vorbei. Andererseits  wird Ewa vom 16-jährigen Marcel heiß umworben – ein  Gefühlschaos! Das Dorf hat jede Menge Stoff für Klatsch und Tratsch. Und dann verschwindet auch noch Ewas  zweijähriger Sohn . . . Reizvolle, sinnliche Bilder – zu sehen heute um 17 Uhr in der Stadthalle und am Sonnabend um 15 Uhr im Weltspiegel.

An der slowakisch-ukrainischen Grenze ist nicht viel los, es gibt kaum noch Arbeit, daher wird geschmuggelt, was das Zeug hält: Zigaretten, Alkohol, Menschen . .   Mit dem Schengen-Beitritt der Slowakei geht die grüne Grenze zu, da ist guter Rat teuer. Auf slowakischer Seite agiert Adam, ein  Menschenhändler mit Herz, jenseits der Grenze Gangsterboss Krull,  der über Leichen geht. Mit  „Die Linie“ hat der slowakische Regisseur Peter Bebjak einen  unterhaltsamen Krimi vor ernstem gesellschaftlichen Hintergrund vorgelegt. Und die  Sympathien liegen eindeutig bei Adam. Schafft er es, den fiesen Krull  irgendwann zu besiegen? Heute, 19.30 Uhr, Stadthalle und  Sonnabend, 10 Uhr, Weltspiegel.

Noch einmal Slowakei:  Eine Fabrik  entlässt den Großteil der Arbeiter. So auch Ágoston (super: Sandor Terhes),  Mitte 50, glücklich verheiratet und Teil der ungarischen Minderheit. Er lässt sich vom Hochglanzprospekt einer lettischen Werft locken. Aber dort hat niemand auf ihn gewartet. So beginnen die skurrilen Abenteuer des Russisch radebrechenden Ágoston in Lettland. Es fließt wieder mal reichlich Alkohol, was in osteuropäischen Filmen niemanden sonderlich wundern dürfte  Das Leben ist hart, muss also mit trockenem Humor und Wod-
ka genommen werden.  Gelungenes Spielfilmdebüt von György Kristóf: „Out“ steht heute um 22 Uhr in der Stadthalle und am Sonnabend um 12.30 Uhr im Weltspiegel auf dem Spielplan.