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| 18:33 Uhr

27. Filmfestival Cottbus
Immer wieder nahe dran am Oscar

„Loveless“: Alyosha leidet unter dem Scheidungskrieg der Eltern.   :
„Loveless“: Alyosha leidet unter dem Scheidungskrieg der Eltern. : FOTO: Wild Bunch
Cottbus. Hochkaräter beim Filmfestival Cottbus. Heute ist Preisverleihung bei der 27. Auflage. Blochwitz

Die Besucher des Cottbuser Filmfestivals sind auch immer wieder nahe dran am Oscar. Im vergangenen Jahr war  Urs Rechn, Cottbuser Schauspieler und mit dem oscarprämierten  „Son of Saul“ (Ungarn 2015) international erfolgreich, Mitglied der Kurzfilmjury. „Wir freuen uns außerordentlich“, hatte Programmdirektor Bernd Buder erklärt. „Immerhin holen wir uns somit bereits den zweiten ungarischen Oscar nach Cottbus“, ergänzte Buder mit augenzwinkerndem Verweis auf Regie-Altmeister István Szabó, Oscarpreisträger 1981 („Mephisto“) und langjähriger Ehrenpräsident des Filmfestivals.

Nicht wenige Filme, die zuvor in Cottbus liefen,  vertreten ihre Länder bei den Oscars. In jüngster Zeit unter anderem „Mittagssonne“ des kroatischen Regisseurs Dalibor Matanic, Cottbuser Hauptpreisträger 2015, und „Kills on Wheels“ von Attila Till, (Ungarn), 2016 in Cottbus mit dem Fipresci-Preis und dem Preis der ökumenischen Jury bedacht.

Manchmal lässt die Jury auch tolle Filme  links liegen – wie 2001, als „No Man’s Land“ des bosnischen Regisseurs Boris Tanovic immerhin den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis gewann. Drei Monate später gab’s dann den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.

Den hat auch Jan Sverák gewonnen, der als der erfolgreichste tschechische Filmregisseur nach 1989 gilt.  Sein Film „Die Ölfresser“ wurde 1989 mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet. 1992 war wurde „Die Volksschule“ für den Oscar  in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. 1997 erhielt sein Film  „Kolya“ dann den Oscar in derselben Kategorie.

In Cottbus hat  Sverák unter anderem 1994  den Förderpreis für „Akkumulator 1“ und 2007  den Publikumspreis für  „Leergut“ abgeräumt. Beim 27. Filmfestival ist Sverák in der Reihe Nationale Hits mit seinem Spielfilm „Barfuß“ vertreten. Prag in den 1940er-Jahren: Da der Vater es ablehnt, den Hitlergruß zu zeigen, verliert er seine Arbeit und auch die Dienstwohnung. Die Familie muss aufs Land ziehen zu ihren Verwandten. Für den kleinen Eda ist das zuerst ein Schock, dann findet er neue Freunde.  Bald erfährt Eda, dass sein Vater einen Bruder hat, den alle nur Wolf nennen und den sie nicht mal mehr grüßen. Trotz aller Verbote trifft Eda ihn manchmal heimlich und lernt ihn besser kennen.

Jan Sverák drehte sein neues Werk nach autobiografischen Erzählungen seines Vaters Zdenek, der im Film einen behutsam-patriotischen Dorflehrer spielt. Die bitter-süße Komödie ist ein Prequel zu  „Volksschule“. Nochmals  zu sehen am Sonntag um 12 Uhr in der Stadthalle.

Den Oscar holen möchte auch der Russe Andrey Zvyagintsev. Er holte mit dem Spielfilm „Die Rückkehr“ 2003 den Spezialpreis für die beste Regie in Cottbus, beeindruckte hier auch 2007 mit „Die Verbannung“ und bekam  2015 eine Oscar-Nominierung für „Leviathan“. Nächster Versuch 2018: Sein im Wettbewerb in Cannes in diesem Jahr  mit dem Preis der Jury ausgezeichneter Film „Loveless“ ist bereits  als russischer Beitrag für den Oscar ausgewählt worden.

„Loveless“: Die gemeinsame Wohnung von  Boris  und Zheny  ist bereits zum Verkauf ausgeschrieben. Der 12-jährige Sohn Alyosha leidet unter dem pausenlosen Kleinkrieg der Eltern und den Wohnungsbesichtigungen potenzieller Käufer.  Eines Tages hört er, dass er weder bei der Mutter noch beim Vater bleiben soll, die beide neue Partner haben. Stattdessen wollen ihn seine Eltern in ein Internat stecken. Dann ist Alyosha  plötzlich verschwunden. Die Polizei macht wenig Hoffnung . . . „Loveless“ ist schwer auszuhalten, ein psychologisch klar  beobachteter Film über  Eltern, die es verlernt haben, mit ihrem Kind umzugehen, und eine Gesellschaft, deren Institutionen – allen hohlen Sprüchen zum Trotz – keinen Halt mehr geben. Der Film läuft noch einmal am heutigen Sonnabend um 20 Uhr im Weltspiegel.

Trailer von den Festivalfilmen kann man sich ansehen unter www.youtube.com/filmfestivalcottbus.de

Fotos vom Festival:

www.lr-online.de/bilder

Filmfestival 2017 - Logo - sw
Filmfestival 2017 - Logo - sw FOTO: Filmfestival Cottbus / LR