Der Rhythmus liegt diesen Autoren im Blut. Wenn sie auf die Bühne treten, werden Texte zu einem sinnlichen Erlebnis. Denn sie machen die Satzmelodie, das Tempo und die Betonung zu einem Erlebnis. Das konnten am vergangenen Wochenende die Besucher des Poetry Slams in derBTU-Mensa erleben. Im Rahmen des 24. Satirefestivals fand erstmals ein Halbfinale der Berlin-Brandenburg Masters in Cottbus statt. Neun Teilnehmer traten bei dem Vortragswettbewerb vor Publikum auf.

Bemerkenswert war bei dieser Veranstaltung der politische Schwerpunkt, den viele Autoren in ihren Beiträgen setzten. Ein Aspekt, den die Zuschauer honorierten. Der Gewinner des Abends, der Niederländer Kevin Groen, überzeugte die Publikumsjury mit einem Text über die Privilegien der weißen Mehrheit. Mit einem überaus dynamischen Vortrag, der mit dem Tempo und der Lautstärke des Vortrags spielte, zog er die Besucher des Festivals in seinen Bann. Dabei trug er seinen Text in englischer Sprache vor. Ein Kunstgriff, der den Inhalt unterstrich. Denn es ging darin auch um die sprachlichen Schwierigkeiten, die Menschen anderer Herkunft in der Fremde bewältigen müssen. Groen, der unter anderem auch in Maastricht internationale Betriebswirtschaft studierte, hat familiäre Wurzeln in Asien. Mit dem Sieg beim Halbfinale in Cottbus zog er automatisch ins Berliner Finale ein.

Mit ihm zusammen hatten auch die Zweit- und Drittplatzierten die Chance auf eine erfolgreiche Teilnahme in der Hauptstadt. Dazu zählte Paul Weigl, der sich in seinem Text mit den Grenzen des vielzitierten Freiheitsbegriffs in unserer Popkultur auseinandersetzte. Er bediente sich für seinen Vortrag bei dem deutschen Popstar Marius Müller-Westernhagen, der mit seinem Hit „Freiheit“ in den 90er-Jahren die Chartspitze eroberte. Mit einem atemberaubenden Stakkato zerlegte er die Illusion eines freien Lebens in die Einzelteile. Dazu deklinierte er Handyverträge, Social-Media-Kanäle und Versicherungspolicen durch, die heute jeder nutzt, und die jeden in Beschlag nehmen. Mobilität und Kommunikation überall, aber was ist mit dem freien Leben?

Für ihren sehr persönlichen Auftritt wählte das Publikum Veronika Rieger auf den dritten Platz. Sie verwendete für ihr Thema, die Liebes- und Lebensetappen im Werdegang der Mittzwanziger, eine Schachspiel-Metapher. So, wie die Züge auf dem Brett und die Tipps des Großvaters, der sie in regelmäßigen Wiederholungen Matt setzte, seien auch viele Schritte im Leben Versuche, eine Strategie zu finden, um die verletzliche Protagonistin, die Dame, durch das Spiel zu retten. Verlust und Neubeginn inklusive.

Lisa Maria Olszakiewiecz, die im Vorfeld des Wettbewerbs mit der RUNDSCHAU über ihren Auftritt in Cottbus gesprochen hatte, belegte den siebten Platz. Sie wählte für den Besuch in der BTU-Mensa einen humorigen Text. Darin ging es um die Anstrengungen eines Spermiums auf dem Weg zur Zeugung. Nachdem es durch akribische Vorbereitungen mit Schwimmübungen sein Ziel erreicht hatte, bewährt sich am Ende auch der Mensch, der aus ihm geworden ist. Bei einem Schiffsunglück nämlich rettet sich der Mann dank seiner Schwimmfertigkeiten aus den Fluten. Olsza­kiewieczs Bilanz: „Schade, dass ich nicht ins Finale gekommen bin. Es hat aber sehr viel Spaß gemacht“.