Von Ida Kretzschmar

Ab März werden in der Spreewaldgemeinde Burg Fontanezeit-Entdecker gesucht. Immerhin hat der wanderfreudige Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag im Land Brandenburg groß gefeiert wird, im Sommer 1859 auch die Spreewaldgemeinde besucht.

Und so sollen in den nächsten Wochen an vielen Ecken des Ortes Plakate darauf aufmerksam machen, dass der märkische Schriftsteller, Autor großer Romane wie „Effi Briest“, hier seine Spuren hinterlassen hat.

„Alles Alte, soweit es den Anspruch verdient hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir eigentlich leben“, stellt Nicole Schlenger, Leiterin der Touristinformation Burg, bei der Vorstellung der Aktion am Donnerstag einen der Fontane-Sprüche vor, die darauf zu finden sein werden.

„Und wir beherzigen auch seinen Rat, in dem wir uns ihm im Jubiläumsjahr auf eine ganz besondere Art und Weise nähern“, sagt sie.

„Was ist Fontane in Burg begegnet, was hat er gesehen, welche Kleidung hat er getragen, was gegessen und was können wir heute noch aus seiner Zeit entdecken?“, wirft Christine Clausing, Vorsitzende des Tourismusvereins Burg (Spreewald) und Umgebung Fragen auf, die in dieser Aktion der Fontanezeit-Entdecker die Neugier beflügeln sollen. Der Verein startet gemeinsam mit der Touristinformation des Amtes Burg ins Fontane-Jahr mit dem Aufruf: „Fontanezeitliches? Wecke den Entdecker in Dir! Sei Fontanezeit-Entdecker!“

Und sie freut sich, dass die Aktion auch Schule machen soll und die evangelische Kirchengemeinde als Partner gewonnen wurde. „Fontanezeit-Entdecker kann jeder werden, der in Burg und Umgebung etwas aus dem 19. Jahrhundert auffindet, vielleicht ein Gebäude, eine Brücke, eine Kaffeetasse oder auch ein Buch – eben Dinge aus seiner Zeit entdeckt“, stellt sie klar.

Zur Veranschaulichung haben die Initiatoren selbst schon in Schubladen gekramt und einiges entdeckt, was zur Programmvorstellung im Gemeindesaal der evangelischen Kirchgemeinde zu bewundern ist. Ein Brockhaus Konservationslexikon aus dem Jahre 1859 beispielsweise, das Fontane einen bedeutenden Platz einräumt. Daneben finden sich ein Fernglas, feines Porzellan und eine Elle aus dem 19. Jahrhundert.

Am 30. März startet die Kampagne und lädt unkompliziert zum Mitmachen ein: Auf der Facebook-Seite von Burg (Spreewald) kann das Entdeckte in Fotos und in damit verbundenen Geschichten dann veröffentlicht werden. Auch attraktive Preise winken den Entdeckern.

Schon jetzt hat der international bekannte Künstler Jim Avignon eine Fontane-Figur gestaltet, die auf der Burger Homepage über die Fließe stakt. „Im Kahn darf ein Buch nicht fehlen, und als Rudel dient ihm eine Feder“, berichtet Christine Clausing. Dorett Auerswald von der unterstützenden Agentur stellt klar, warum dieser Fontane nur vier Finger hat: „Es ist eine Comicfigur“, sagt sie. In dieser Gestalt wird Fontane auch im Haus des Gastes in Burg seinen Platz finden.

Unter den zahlreichen Aktivitäten soll das Finale der Fontanezeit-Entdecker-Aktion am 7. September, auch als Beitrag zur Aquamediale 2019, zu einem ganz besonderen Höhepunkt gestaltet werden. Es ist am Waldhotel Eiche geplant, hat doch Fontane im Sommer 1859, so ist verbrieft, dort Quartier genommen. Jim Avignon, der viele Jahre in New York gelebt hat, bevor er nach Berlin zurückkehrte, wo er auch die East Side Gallery mitgestaltet hat, wird dafür im „Fließenden Atelier“ erstmals auf einem Kahn künstlerisch arbeiten. Er stellt in Burg ein Triptychon vor, mit seinen ganz eigenen Entdeckungen und Inspirationen.

Zudem wird ein weiterer besonderen Gast erwartet: die Berliner Kunsthistorikerin Heide Rezepa-Zabel, bekannt auch als Expertin aus der ZDF-Sendereihe „Bares für Rares“. „Sie hilft uns dabei, einige ausgewählte fontanezeitliche Fundstücke einzuordnen. Darauf freuen wir uns sehr. Unser Ziel ist es, mit dem kreativen Herangehen bis in die Hauptstadt Aufmerksamkeit zu erregen“, hofft Nicole Schlenger.

Lübbenau