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| 01:02 Uhr

1800 feierten in Cottbus eine kaiserliche Party

Wer bisher dachte, Roland Kaiser sei nur etwas für Ältere, der irrt gewaltig. Denn das Konzert am Mittwochabend in der fast ausverkauften Cottbuser Stadthalle war eine riesige Party, in der in erster Linie die Jugend Stimmung machte – was bei den Älteren, die einen ruhigen Konzertabend erwartet hatten, nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Roland Kaiser scheint Kult geworden zu sein. In Cottbus hatte er seine schönsten Hits aus seiner 30-jährigen Musikkarriere im Gepäck, mit denen er gerade auf Deutschland-Tournee unterwegs ist. Von Steffi Schubert

„Er gefällt mir von Mal zu Mal besser“ , sagt Steffi Kärger (21) und korrigiert aber gleich: „Also nicht er, sondern seine Musik.“ Bei zwei Roland-Kaiser-Konzerten war die ehemalige Cottbuserin bereits und ist heute extra aus Berlin angereist, genau wie Katja Holzmann (24): „Wir sind durch Freunde drauf gekommen, die im Roland-Kaiser-Fanclub sind. Meine Mutti hat früher auch immer Schallplatten von ihm gehört, und seit sieben Jahren höre ich die Musik auch. Mir gefallen einfach die Texte, man kann schön mitsingen und tanzen.“
Bei Angelika Werner (54) aus Cottbus ist es dagegen eher die Ausstrahlung des Schlagerstars, die sie fasziniert: „Es ist schon toll, wie er es schafft, Junge und Alte zu begeistern.“
Und so ist auch das Gekreische groß, als das Licht ausgeht und die ersten Töne von „Ich glaub, es geht schon wieder los“ erklingen. Als Roland Kaiser dann im Lichtkegel einer imaginären Kneipe erscheint, könnte man ob der Begeisterungsstürme denken, Robbie Williams tritt auf die Bühne. Dabei macht der 52-jährige Kaiser nicht viel mehr, als in seinem braunen Anzug da stehen, leicht mit dem Bein wippen und singen. „Sag niemals nie“ - die Fangemeinde ist textsicher von der ersten bis zur letzten Zeile.
Bereits beim dritten Hit hält es die ersten Teenager nicht mehr auf den Sitzen, neben der Bühne wird jetzt getanzt und geklatscht, was das Zeug hält. Eine Polonaise schlängelt sich durch die andere Seite des Saals, erste Blumen werden überreicht, „Roland-Sprechchöre“ ertönen.

„Wie in der Disco“
„Meine Güte, das ist ja hier wie in der Disco“ , sagt ein älterer Mann und reckt verstört den Hals nach allen Seiten. Denn bei „Joana“ steht mittlerweile nicht nur der Mittelgang voll, sondern auch die Hälfte der Leute in den Sitzreihen hat sich klatschend und mitsingend erhoben. Und viele derer, die auf den hinteren Reihen sitzen, haben nicht mehr den vollen Blick auf den Sänger - was einige auch zum frühzeitigen Gehen veranlasst.
Roland Kaiser lächelt manchmal mit schüttelndem Kopf, als könne er nicht glauben, was im Saal abgeht. Zum Erzählen kleiner Episoden zwischen seinen Liedern kommt er gar nicht richtig. „Roland, wir lieben dich“ , wird gerufen. „Ich sing ja gleich wieder“ , sagt er zur Freude der Fans und es geht weiter mit seinen zweideutig eindeutigen Liedern über Versuchungen, die zum Nachgeben locken, über vergebliche Liebe, verbotene Nächte und so weiter - immer schön verpackt in vermeintlich anständige Texte, die es aber beim zweiten Hinhören ordentlich in sich haben. „Südlich von mir, südlich ganz nah bei dir“ , die Massen sind außer sich. „Sie feiern nicht ungern, was?“ , bemerkt dann auch Roland Kaiser und legt nach mit „Amore Mio“ und „Santa Maria“ , Hits aus den Jahren 1978 und 1980.

Mitsingen ohne Ende
Nach der Pause geht die Kaiser-Party weiter. „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben“ und „Manchmal möchte ich schon mit Dir“ - Ronald Keiler, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, hat wirklich fast alle Hits aus seinen 30 Bühnen-Jahren hervorgekramt. Da formen sich auch bei den „Sitzengebliebenen“ die Lippen zum Mitsingen.
Bei „Extreme“ ist es dann so weit - die Massen dürfen bis nach vorn vor die Bühne und auch sonst steht fast der halbe Saal. Dann verschwindet der Sänger das erste Mal hinterm Vorhang, kommt aber zu mehreren Zugaben jedes Mal unter frenetischem Jubel wieder zum Vorschein. „Bleibt so wie ihr seid“ , ruft er den Lausitzern zum Abschied zu. Die Fans unter den 1800 Zuschauern sind überglücklich, die Älteren, die nichts gesehen haben, weniger. Und der Kaiser zieht weiter auf seiner Deutschlandtour und wird auch in anderen Städten Großmütter und Enkel gleichzeitig begeistern.