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15. Cottbuser Filmschau
Jeder hat mal seine fünf Minuten

Der  Cottbuser Weltspiegel war am Montagabend zur Filmschau wieder prall gefüllt.
Der  Cottbuser Weltspiegel war am Montagabend zur Filmschau wieder prall gefüllt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Filmschau von regionalen Regisseuren hat die Festivalwoche in Cottbus eingeläutet. Jetzt startet der Spielfilmwettbewerb. Peter Blochwitz

. Der in der Tat  fünfminütige Beitrag „5 Minuten“ hat am Montagabend den Hauptpreis der 15. Cottbuser Filmschau gewonnen.  Der Preis im Wert von 1500 Euro wurde gestiftet von arvato Services Cottbus. Mit der Veranstaltung im Weltspiegel Cottbus ist das 27. Festival des osteuropäischen Films eingeläutet worden, das am Dienstag offiziell eröffnet wurde.

„5 Minuten“: Jeder hat  ja mal seine selbigen. Und wie diese aussehen können, das haben Leni Blohm, Mavie Brandt und Henriette Beyer flott umgesetzt und die Jury überzeugt. Sie bestand in diesem Jahr aus Christine Häußler, der Produzentin des diesjährigen Filmfestival-Trailers, dem Cottbuser Medien- und Kulturwissenschaftler Daniel Kubick und Matthias Heine, dem stellvertretenden Leiter des Cottbuser piccolo Theaters.

Einen Doppelsieg landete der  Beitrag „Heimatliebe“  von  David Lay und Laura Witte. Im Debüt der beiden Regietalente verteidigt ein sorbischer Jugendlicher sein Kulturerbe gegen rechte Aggression. Damit sicherte sich der Kurzfilm die Gunst des Publikums und einen Einkaufsgutschein im Wert von 250 Euro, gestiftet von der Spreegalerie Cottbus, und den Sonderpreis der Stiftung für das sorbische Volk, der mit 1000 Euro dotiert ist. Die Jury lobte „das Spiel mit den Stereotypen und wie ,Heimatliebe’ das schwierige Thema auf leichte Art und Weise mit Humor angeht.“ Der 15-Minüter ist nicht ganz so kurz, aber kurzweilig und sorgte für Beifall und Jubel im Saal.

Die insgesamt 17 Beiträge von  regionalen Filmschaffenden zeichneten sich durch eine große Bandbreite und durch gute handwerkliche Fertigkeiten aus. Einige hätten  Straffungen vertragen.

Durch den Abend führte erstmals Max Wuttge.  Der 24-jährige Cottbuser ist sowohl der Filmschau als auch dem Festival schon länger verbunden. Er  war 2011 in  „Blaue Stunde“ als Schauspieler zu sehen und 2015 bei der Filmschau mit der Reportage „Angst im Gepäck“ als Regisseur vertreten.

Nach den Auftritten der Filmemacher, die zumeist aus der Amateurszene  stammen, geht nun das Filmfestival in die Vollen. Am heutigen Mittwoch starten vier Streifen im Hauptwettbewerb Spielfilm.

„Tagesanbruch“ von Gentian Koci ist eine albanisch-griechische Koproduktion: Violeta hat einem tod-
kranken Patienten Sterbehilfe geleistet, verliert erst ihre Arbeit, dann ihre Wohnung. Sie pflegt nun eine alte Frau, bei der sie sich und ihren kleinen Sohn einquartiert.  Greift schließlich zu einer äußerst drastischen Maßnahme . . . Hauptdarstellerin Ornela Kapitani verkörpert das Leid und die Ausweglosigkeit Violetas überzeugend. Zu sehen am heutigen Mittwoch um 14.30 Uhr in der Stadthalle und am Donnerstag, 17.30 Uhr, im Weltspiegel.

„Vor dem Frühling“ des Georgiers Geoge Ovashvili begleitet den ersten  Präsidenten des unabhängigen Georgiens, Swiad Gamsachurdia, der sich nach einem Putsch Anfang der 90er-Jahre auf der Flucht durch den malerischen Kaukasus befindet. Regisseur Ovashvili beeindruckte bereits 2014 beim Festival mit seiner „Maisinsel“, wofür er den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis bekam. „Vor dem Frühling“:  Mittwoch, 17 Uhr, Stadthalle und Donnerstag, 15 Uhr, Weltspiegel.

Im kaukasischen  Nachbarland Aserbaidschan liegt „Der Granatapfelgarten“ (Regie: Ilgar Najaf).  Ein Mann, der vor zwölf Jahren Frau und Kind verlassen hatte, kehrt plötzlich zurück. Was will er auf einmal? Sein Vater hatte sich in dieser Zeit um die Familie gekümmert. Nun brechen alte Verletzungen auf. Atmosphärisch  dichtes Familiendrama: Mittwoch, 19.30 Uhr, Stadthalle, Donnerstag, 10 Uhr, Weltspiegel.

Der slowenische Regisseur Jan Cvitkovic ist für seinen Humor bekannt.  Er hatte 2005 in Cottbus für seinen Film „Von Grab zu Grab“  den Hauptpreis und 2015 mit „Siska Deluxe“ den Publikumspreis gewonnen.  Diesmal gibt es deutlich weniger zu lachen: „Die Familie“ (Mittwoch, 22 Uhr, Stadthalle, Donnerstag, 12.30 Uhr, Weltspiegel) droht  zu zerbrechen, nachdem beide Eltern ihre Arbeit verloren haben. Nur gut, dass die Kinder so stark sind!

Trailer von Festivalfilmen kann man sich anschauen unter

Fotos vom Festival: