Diese Integrationsfähigkeit ist kein schlechtes Rüstzeug, um ein renommiertes Haus wie das Burgtheater in der österreichischen Hauptstadt aus dem Schockzustand des Finanzskandals herauszuführen. Selbstbewusstsein gehört auch dazu: "Ich fürchte mich vor gar nichts. Sonst hätte ich das Amt nicht angetreten", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" im März. Der in der Alpenrepublik extrem exponierte Job in der Kulturszene ist für sie Auftrag und Herzenssache, aber kein Instrument fürs Rampenlicht. Die Aufmerksamkeit der sehr kulturinteressierten Öffentlichkeit ist ihr trotzdem gewiss.

Vor sieben Monaten - das Burgtheater war mitten in seiner bisher tiefsten Krise - wurde Bergmann als eine Art Feuerwehrfrau geholt. Die Frau aus Recklinghausen kam aus dem Ruhestand zurück. Das Haus kannte sie als ehemalige Vizedirektorin bestens. Ihre Karriere hatte sie 1979 als Direktionsassistentin am Schauspielhaus Bochum begonnen, wo Claus Peymann Intendant war. Mit Peymann kam sie 1986 als Pressesprecherin ans Burgtheater. Nach weiteren Stationen wurde sie 1999 Stellvertreterin von "Burg"-Intendant Klaus Bachler. Im Jahr 2010 ging sie in den - vorläufigen - Ruhestand.

"Sie bringt fast alles mit, was man braucht, Achtung vor und Liebe zur Institution, entschiedenes Auftreten, Zähigkeit, eine gewisse Schlauheit. Das Einzige, was sie beweisen wird müssen, ist: künstlerische Innovation, Ideen, neue Formate", kommentierte nach der Entscheidung die Wiener Zeitung "Die Presse". Eine Expertin für Bilanzen ist die erste Frau an der Spitze des Theaters nach eigenem Bekenntnis aber weiterhin nicht. "Im Theater hat man glücklicherweise einen Souffleur", sagte sie mit Blick auf den Kaufmännischen Geschäftsführer Thomas Königstorfer.