"Achtung - unsichtbare Markierungen!" Dieses Schild an Bahnanlagen soll potenzielle Kabeldiebe abschrecken. Zugleich wird davor gewarnt, "die künstliche DNA führt zum Täter und macht Metalle unverkäuflich". Die Deutsche Bahn will solche Hinweise an ihrem Streckennetz aufstellen, denn der Diebstahl von Kabeln verursacht der Bahn nach eigenen Angaben einen immensen Schaden.

Enorme Folgekosten

Der materielle Schaden, der durch den Diebstahl verursacht werde, sei vergleichsweise gering, sagte Susanne Kufeld jetzt in Leipzig, die im Regionalbereich Ost der Bahn die Konzernsicherheit verantwortet. Sie spricht von enormen Folgekosten und "oftmals gravierenden Auswirkungen auf den Betriebsablauf". Wenn Buntmetall im Wert von 100 Euro gestohlen werde, mache die Bahn schnell mehrere Hunderttausend Euro Schadenersatz geltend.

Für das Jahr 2010 gibt das Unternehmen eine Schadenssumme von rund zehn Millionen Euro für das Bundesgebiet an. Nimmt die Polizei Täter fest, ermittelt sie in zahlreichen Fällen nicht nur wegen des Diebstahls, sondern auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, was mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet werden kann.

Schrotthändler, die gestohlene Kabel aufkaufen, machen sich der Hehlerei schuldig; ihnen drohen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.

Doch nur jeder fünfte Täter werde bisher gefasst, berichtete Kufeld. Als Täter kämen 70-Jährige, die sich "ihre Rente aufbessern wollen", ebenso in Frage wie Diebesbanden aus Osteuropa oder Drogenabhängige.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres hätten sich die Diebstähle von Buntmetall in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Für die gesamte Bundesrepublik gibt die Bahn eine Steigerung um etwa ein Drittel an. Deshalb will die Bahn ab sofort verstärkt Sicherheitspersonal in Uniform und zivil einsetzen, wie Kufeld ankündigte. Außerdem will sie einen Teil ihrer Kabel mit einer unsichtbaren Markierung versehen, die als künstliche DNA bezeichnet wird, um Diebe besser zu überführen und - mit den entsprechenden Schildern - sie abzuschrecken.

Unsichbare Markierungen

Die dafür ausgewählten Strecken will die Bahn aus "einsatztaktischen Gründen" nicht nennen, auch zu den Kosten der Markierungen macht sie keine Angaben. Erkennbar wird die Markierung der Kabel unter ultraviolettem Licht, das Diebesgut lasse sich dadurch gerichtsverwertbar zuordnen.

Als Schwerpunkte von Diebstählen in diesem Jahr nannte die Bahn die Regionen Magdeburg und Stendal, Halle sowie Leipzig - vor allem auch wegen der Nähe zu Osteuropa. Der Leiter der Bundespolizeiinspektion Leipzig, Jörg Schulz, versprach, das Risiko, von der Polizei gefasst zu werden, werde sich stark erhöhen.

Die Markierung soll sich auf die Haut und Kleidung der Diebe übertragen. "Das erleichtert uns stark das Wiedererkennen von Werkzeugen, Tätern und gestohlenem Buntmetall", erläuterte der Polizeidirektor, in dessen Direktion 320 Polizisten arbeiten.

Spuren entfernen unmöglich

Der Hersteller der Flüssigkeit, ein brandenburgisches Unternehmen, verspricht, die Markierungen seien nicht giftig und veränderten nicht das Erbgut. Es sei "nahezu unmöglich", sie wieder vollständig zu entfernen, wenn sie auf der Haut oder der Kleidung sei.

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Thema Vor allem in Ostdeutschland machen sich Kriminelle an Bahnanlagen zu schaffen, um Kupferkabel zu stehlen. Die Zahlen für die ersten neun Monate 2011 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum: Sachsen-Anhalt 489 (+222) Sachsen 418 (+254) Brandenburg 320 (+32) Berlin 111 (-7) Mecklenburg-Vorpommern 108 (-22) Thüringen 53 (+9) Deutschland insgesamt 2158 (+694)