Öffentlichkeit aufgetreten und fehlte sogar bei der Militärparade zu seinen Ehren am 2. Dezember. Somit wird bei der Sitzung der 609 Abgeordneten wohl der kleine Kreis der Interimsregierenden rund um Fidels Bruder Raúl Castro im Rampenlicht stehen, der alte Revolutionsführer aber ist erstmals seit 30 Jahren nicht dabei.

Castro stets auf der Bühne
Seit dem Beginn der regelmäßigen, zweimal jährlich zusammengerufenen Parlamentssitzungen 1976 stand der Revolutionsführer stets auf der Bühne: In mehrstündigen Reden zeichnete er ein detailliertes Bild von der aktuellen Politik Kubas und entwarf Linien in die Zukunft. Die Rede seines Bruders Raúl wird nun vermutlich bedeutend knapper ausfallen. Dennoch deutet sich im Vorfeld nicht an, dass die Versammlung der „Volksvertreter“ aus der Kommunistischen Partei (KP) nicht der Routine der vergangenen Jahre folgen wird. Demnach dürften die Hauptthemen der Fortschritt im Wohnungsbauprogramm, die „Energierevolution“ und der Umweltschutz sein.
Dennoch, meint ein Diplomat in Havanna, könne es vielleicht spannend werden. „Wir können nicht ausschließen, dass Fidel diesen Moment wählt, um durch seinen Bruder wichtige Ankündigungen zu machen - etwa, einen Übergangsprozess in Gang zu setzen“ , mutmaßt der Vertreter eines mit Kuba verbündeten Staates. Aber: Mit seinem „Temperament eines hartnäckigen Kämpfers“ sei Fidel Castro nicht dazu veranlagt, sich „einfach so“ aus der Politik zurückzuziehen, meint der Diplomat. Die Parlamentssitzung könnte somit interessant werden. Die Kubaner werden den Atem anhalten und horchen, ob ihr Präsident über seinen Bruder eine überraschende Nachricht aussendet.

Letzte Wahl 2003
Zuletzt wurde die Nationalversammlung 2003 gewählt. Für die 609 Posten bewarben sich exakt 609 Kandidaten. Sie wurden zur Hälfte von den Lokalparlamenten und zur anderen Hälfte von regierungstreuen Massenorganisationen vorgeschlagen: den Komitees zur Verteidigung der Revolution, Gewerkschaften oder Studentenverbänden. Das für fünf Jahre gewählte Parlament verabschiedet die Gesetze, die in der Regel vom regierenden Staatsrat eingebracht werden.
Die Regierung von Staats- und Parteichef Fidel Castro pries den Urnengang 2003 als den „weltweit demokratischsten und transparentesten“ . Regimekritiker kritisierten dagegen, dass außer der regierenden KP keine anderen Parteien zugelassen waren.