Denn dann werden 129 Tage vergangen sein, seit der Maximo Lider sich krankmeldete. Am 31. Juli legte er die Führung des Landes in die Hände seines Bruders und Stellvertreters Raúl und einiger anderer Gefolgsleute. Damit begann 47 Jahre nach der kubanischen Revolution die Zeit des Übergangs der Macht.
Castro selbst verfügte damals, dass die Feiern zu seinem Geburtstag vom 13. August auf den 2. Dezember verlegt wurden: Ein symbolträchtiges Datum, weil am 2. Dezember 1956, Fidel selbst, Raúl und 80 Rebellen mit der Yacht "Granma" aus dem mexikanischen Exil heimkehrten, um den Diktator Fulgencio Batista zu stürzen. Die aktuelle Inszenierung des Übergangs, die Sicherstellung der Macht auf der größten Antilleninsel ist weitgehend geglückt. Nach der offiziellen Sprechart geht die von Fidel eingeleitete Revolution mit Raúl Castro und den anderen weiter. Die Kubaner haben sich daran gewöhnt, nicht mehr von Fidel, dem Maximo Lider, dem "Commandante en Jefe", regiert zu werden.
Die stundenlangen Fernsehmonologe, mit denen der unermüdliche Castro Jahrzehnte lang jeden Donnerstag sein Volk bearbeitete, sind Geschichte. Nur fünfmal wurden in den zurückliegenden vier Monaten Videos mit dem kranken 80-Jährigen ausgestrahlt.
Dies und die Äußerungen der neuen Führer sollten belegen, dass es Castro von Tag zu Tag besser gehe. Und am 2. Dezember werde er wie vor 50 Jahren zurückkehren, nicht aus dem Exil dieses Mal, sondern aus dem Hospital, wird propagiert. Doch bleibt unklar, ob dieser letzte Akt sozialistischer Regierungskunst Wirklichkeit werden wird.
Den Kubanern selbst wird es nach vier Monaten zunehmend egal, ob der Revolutionsführer auf der Tribüne anwesend sein wird, wenn die Armee marschiert und die "Massen" seinen Geburtstag nachfeiern. In den vergangenen vier Monaten ist nämlich nicht viel geschehen. Niemand hat Kuba angegriffen, keiner hat einen Aufstand angezettelt, niemand ging auf die Straße, niemand sagte öffentlich seine kritische Meinung.
Dafür hat sich Kuba international weiter profiliert, hat die Präsidentschaft der Blockfreien Staaten übernommen und wird nicht müde, den Imperialismus der USA anzuprangern, wie zu Zeiten Fidel Castros. Aber im Land ist es ruhig. Ein Durchschnitts-Kubaner verdient weiterhin im Monat umgerechnet rund 20 Dollar und nach wie vor kann er sich davon gerade mal zehn Liter Milch kaufen.
"Die Menschen sind apathisch," erklärt der Dissident Oscar Espinosa die Gemütslage der Kubaner. "Sie haben erstaunlicherweise nur wenig Interesse am Gesundheitszustand des Präsidenten." Die meisten seien damit beschäftigt, den Alltag zu organisieren, erklärt auch die Dissidentin Marta Beatriz Roque. Die Menschen warten, schweigen und hoffen, dass sich bald etwas an ihrer wirtschaftlichen Lage ändert. 300 000 Menschen werden am Samstag für den Umzug in Havanna mobilisiert. Ein Fidel Castro wird auf jeden Fall dabei sein. Der älteste Sohn Castros, der Physikprofessor "Fidelito" Castro, wird rechtzeitig von einer Reise nach Bayern zurück sein, um teilzunehmen. Es könnte ein Teil des Abschieds sein.