Gerd Konietzka hatte nicht zu viel versprochen. Im Namen seines schweigsamen Mandanten verlas der Verteidiger das schon vor zwei Wochen nach der Auftaktverhandlung angekündigte Geständnis. Viele Zuhörer im erneut voll besetzten Gerichtssaal zeigten sich von den schrecklichen Umständen und Einzelheiten der Tat schockiert, die sich in den frühen Morgenstunden des 14. August vergangenen Jahres im Kromlauer Jugendklub ereigneten. Wer wollte, konnte dabei auch eine Verteidigungsstrategie erkennen: Mario L. war nicht nur Täter, sondern auch Opfer - das nämlich seiner Gewaltfantasien, die ihn seit seiner Jugendzeit bedrängten.
Es war das erste Mal, so Anwalt Konietzka, dass sein Mandant sie auch ausleben wollte. Dabei war Mario L. nach der Party schon auf dem Weg nach Hause. Er und Kumpel Jens K. waren die Letzten. Sie verließen den Klub nach Mitternacht gemeinsam. Jens K., offenbar schwer angetrunken, schaffte es keine zehn Schritte weit. Er musste sich auf einer Bank gleich am Eingang zum Klub hinsetzen und nickte offenbar sofort ein. Mario L. schlurfte noch hundert Meter weiter, als ihn wieder seine Fantasien überkamen.
„Ich habe“ , beteuerte Mario L. kleinlaut, „die Außenwelt nicht mehr wahrgenommen.“ Er sei zurück ins Klubhaus gegangen, die Treppe hochgestiegen und habe Susanne im Partyraum alleine angetroffen. Arglos reichte ihm das Mädchen hinterm Tresen noch ein Bier. Als sie sich wenig später auf eine Couch setzte, nutzte Mario L. die Gelegenheit. Mit beiden Händen, so Anwalt Konietzka, würgte er das Mädchen, drückte danach seine Faust auf ihren Kehlkopf. Der Versuch aber, sich an der entkleideten Leiche sexuell zu befriedigen, schlug fehl. Dabei würgte der gelernte Schlosser Susanne und sich selbst mit einem Kabel, mit Schnürsenkeln und mit dem Slip des Mädchens. Damit, so Mario L. auf Nachfrage von Richter Helmut Renz, wollte er sich sexuell stimulieren. Es hätten aber auch Tötungs- und Selbsttötungsfantasien eine Rolle gespielt.

Es hätte jedes Mädchen treffen können
Zwar gelang es dem Täter noch in der Nacht, das Mädchen und ihre Kleidung im Kromlauer Park zu verstecken. Doch nach einigen hartnäckigen Nachfragen der Polizei, rückte der Kromlauer schnell mit der Wahrheit heraus. Was der Angeklagte damals den Beamten zu Protokoll gab, deckte sich mit seinen Aussagen gestern vor Gericht. Es hätte, fasste Verteidiger Konietzka zusammen, in diesen frühen Morgenstunden des 14. August jedes andere Mädchen treffen können, das Mario L. allein im Klubraum angetroffen hätte.
Intensiver als die Ermittler hat sich Gerichts- und Bewährungshelferin Birgit Gottschling nach der Tat mit Mario L. befasst. Was sie in vier ausgiebigen Gesprächen aus dem Angeklagten herausholen konnte, zeugt vor allem von seinem gestörten Verhältnis zu Frauen. Schon als Jugendlicher habe sich bei ihm ein sexuelles Minderwertigkeitsgefühl ausgebildet. Zwei frühe Beziehungen zu gleichaltrigen Mädchen gingen schnell in die Brüche. Besuche bei polnischen Prostituierten verschafften ihm ebenfalls keine Befriedigung. Sehr wohl aber sexuelle Fantasien, die er im Lauf der Jahre immer mehr ausschmückte. Die ihn aber auch immer häufiger ungewollt überkamen und dabei immer gewalttätiger wurden.

In seiner eigenen Welt gelebt
Ihr Gesprächspartner, sagte die Frau im Zeugenstand, „lebte in seiner eigenen Welt“ . Bis kurz vor seiner Tat merkte nur keiner etwas davon. Nicht mal seine Mutter, zu der er ein enges Verhältnis hat. Mario L. hatte seine Fantasien im Griff, lebte so für Außenstehende völlig unauffällig. Gartenarbeit, Ausflüge in die Natur, seine Arbeit als Schlosser und die Treffen mit Kumpels im Jugendklub füllten seine Zeit aus. Mario L. ist bodenständig, hatte nie das Bedürfnis, Urlaub zu machen - „weil er Kromlau so wunderschön findet“ , so Birgit Gottschling, die dem Angeklagten Intelligenz und Reflexionsfähigkeit bescheinigt.
Auf der anderen Seite wirke der 36-Jährige auf sie verklemmt. Er schäme sich und verdränge alles. Jedoch würde er einräumen, dass er sich schon längst hätte in Behandlung begeben müssen. „Heute quält ihn die Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte“ , so die Gutachterin.