Nötig sei ebenso eine Suizidprävention im Alter, sagte Reinhard Lindner vom Nationalen Suizidpräventionsprogramm am Mittwoch in Berlin.

Eine optimale Behandlung alter Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt schließe psychotherapeutische Betreuung zwingend mit ein. Die Selbsttötungsgefahr steige mit dem Lebensalter, erklärte Barbara Schneider von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. In der Altersgruppe 90plus habe die Suizidrate 2013 bei den Männern bei 89,7 und bei Frauen bei 17,4 Fällen pro 100 000 Menschen gelegen.

Diese Daten lägen weit über dem Durchschnitt aller Altersgruppen, der bei Männern knapp 19 Fälle pro 100 000 Menschen, bei Frauen rund 6,5 Fälle beträgt. Da der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zunehme, sei zu erwarten, dass auch die Zahl der Selbsttötungen weiter steige, "wenn nicht gegengesteuert wird", machten Lindner und Schneider deutlich.

Insgesamt hätten sich 2013 in Deutschland 10 000 Menschen das Leben genommen. Beide Organisationen, deren Experten ehrenamtlich arbeiten, wollten keine konkrete Empfehlung für die derzeitige Debatte über Sterbehilfe abgeben. Allerdings müsse klar sein, dass ein assistierter Suizid nur allerletzte Möglichkeit sein könne, wenn palliativ-medizinische und psychotherapeutische Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Das Risiko, sich selbst zu töten, steige, wenn psychische oder körperliche Erkrankungen, insbesondere Depressionen, Demenz oder Schmerzen die Bewegungsfreiheit der Menschen und damit die sozialen Kontakte mehr und mehr einschränkten, erläuterte Lindner. Die Symptome seien aber bis ins hohe Alter behandelbar. Auch Angehörige oder Freunde könnten diese Menschen vor Rückzug und Vereinsamung schützen.

Nach Darstellung der Deutschen Stiftung Patientenschutz leiden 1,2 Millionen Menschen in Deutschland an Depressionen. Nur sechs Prozent erhielten psychotherapeutische Hilfe, erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Er verlangte von der Bundesregierung ein "Aktionsprogramm Suizidprophylaxe 60plus".