Wenn Philippe Douste-Blazy morgens ausländische Zeitungen aufschlägt, springen ihm dramatische Fotos von vermummten Randalierern im Clinch mit der Polizei ins Auge. CNN und andere Nachrichtensender liefern dem französischen Außenminister Live-Bilder von den Scharmützeln zwischen Randalierern und der Polizei. Von "Frankreichs Starre" bis hin zum "Kranken Europas" reichen die oft sachlichen, mitunter hämischen Analysen. Das Image der einstigen "Grande Nation" ist weltweit auf dem Nullpunkt. Der Chefdiplomat am Quai d'Orsay versuchte also einen Befreiungsschlag: Er lud internationale Medien ein, um ihnen Frankreich zu erläutern.
Fernab, in Berlin und Brüssel, musste Präsident Jacques Chirac sich fragen lassen, ob er denn noch hinter dem Premierminister steht. Im Ausland wollen französische Freunde und Verwandte von denen in der Heimat wissen, "was denn an der Seine los ist". Schon wieder steht Frankreich im Brennpunkt. "Die Gewalt kommt nicht von der demonstrierenden Jugend, es gibt die Krawallmacher, Anarchisten und rechtsextreme Grüppchen, das ist nicht neu", erklärt der Außenminister Innenpolitisches. Zukunftsangst sieht er als Kernproblem an - "verständlich" angesichts von etwa 40 Prozent Arbeitslosigkeit unter nichtqualifizierten jungen Leuten.
Warum so etwas wie die umstrittene Arbeitsrechtsreform in ähnlicher Form bei den Nachbarn wie Deutschland, Spanien und Großbritannien möglich ist, aber nicht in Frankreich, dazu fehlt allerdings auch dem Minister die wirklich einleuchtende Antwort. Stattdessen die Warnung: Wenn Premierminister Dominique de Villepin nicht Härte demonstriert, seinen Überzeugungen folgt, dann drohen Erfolge der extremen Kräfte von links wie rechts bei der Präsidenten-und Parlamentswahl 2007. So geht das Gespenst von 2002 um, als der rechtsextreme Jean-Marie Le Pen überraschend in die Stichwahl im Kampf um den Elysée-Palast kam.
Wirtschaft und Politik lesen entsetzt, wie die "Unfähigkeit Frankreichs zur Reform" Schlagzeilen macht, während die Krawalle an die "brennenden Vorstädte" mit der herbstlichen Jugendrevolten vor vier Monaten erinnern. "Das ist eine gefährliche Krise für das Land, für die Wirtschaft und ganz fürchterlich für unser Image", warnt Unternehmerpräsidentin Laurence Parisot: "Unser Ruf steht auf dem Spiel." CGT-Gewerkschaftsboss Bernard Thibault zuckt mit den Achseln, wenn von den Folgen für die Wirtschaft die Rede ist: "Darauf hätte man wohl früher kommen müssen. Wer ist denn dafür verantwortlich?" Und schon hat Villepin den Schwarzen Peter zurück.