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| 02:42 Uhr

Kripo nach 79 Tagen erfolgreich

Polizeisprecher Torsten Wendt (l.), Peter Augustin (Mordkommission) und Gernot Bantleon (Oberstaatsanwalt) während der gestrigen Pressekonferenz im Polizeipräsidium in Cottbus.
Polizeisprecher Torsten Wendt (l.), Peter Augustin (Mordkommission) und Gernot Bantleon (Oberstaatsanwalt) während der gestrigen Pressekonferenz im Polizeipräsidium in Cottbus. FOTO: hil
Cottbus. Der Mord an einer Cottbuser Rentnerin ist aufgeklärt. Eine Polizei-Sonderkommission nimmt nach 361 Vernehmungen und der Auswertung von 47 Hinweisen einen Tatverdächtigen in U-Haft. Andrea Hilscher

Mitten hinein in die Vorweihnachtszeit platzte im Dezember 2016 die traurige Nachricht: Ein Bruder hatte die Rentnerin Gerda Krüger tot in ihrer Wohnung gefunden. Die 82-Jährige ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden.

Peter Augustin, Leiter der Mordkommission Süd: "Wir haben damals sofort eine Sonderkommission gebildet, die Mordkommission aufgestockt und umfangreiche Ermittlungen durchgeführt." Dabei, so Augustin, wurden 361 Vernehmungen im Umfeld der Toten geführt. Besondere Hoffnungen zur Aufklärung des Falles hatte die Polizei in die Öffentlichkeitsfahndung gesetzt: Mit Bildern und Befragungen hatten die Beamten in der Cottbuser Innenstadt nach Zeugen gesucht, die Gerda Krüger noch kurz vor ihrem Tod bei einem Einkaufsbummel gesehen hatten.

Peter Augustin: "Diese Hinweise waren sehr wichtig, wir konnten so die letzten Stunden des Opfers rekonstruieren und so die Tatzeit eingrenzen." Doch während in den ersten Tagen nach der Tat unklar war, ob Gerda Krüger am Freitag, dem 9. Dezember, noch gelebt hatte, geht sie jetzt offenbar von einem Todeszeitpunkt am 8. Dezember aus. Tot in der Wohnung gefunden wurde sie am Freitagabend um 19.15 Uhr. Ihre ehemaligen Kollegen vom Cottbuser Bahnausbesserungswerk hatten sie vermisst. Zu einer Weihnachtsfeier, die sie mit vorbereitet hatte, war sie einfach nicht erschienen. Die einstigen Kollegen informierten einen Verwandten, der seine Schwester leblos in der Wohnung fand.

Die Auswertung von Spuren am Tatort, der Ergebnisse der Rechtsmedizin und diverser Zeugenaussagen haben schließlich dazu geführt, dass sich ein Tatverdacht gegen einen jungen Syrer verdichtete, den Gerda Krüger offenbar gekannt hat. Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon, zuständig für Kapitalverbrechen: "Die Befürchtung, dass der Täter seinem Opfer beim Einkauf aufgelauert, es verfolgt und dann getötet hat, trifft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu."

Nachdem der Syrer gestern morgen festgenommen und in U-Haft gebracht worden war, begannen die Ermittler mit Befragungen und Durchsuchungen in seinem Umfeld. Peter Augustin: "Wir haben noch viele Fragen zum Motiv und zum Tathergang." Das gesamte Ermittlungsverfahren aber sei nicht öffentlich, da der nicht vorbestrafte Jugendliche zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war. Er wird durch das Jugendgerichtsgesetz geschützt.

Zu seiner Identität wollten Polizei und Staatsanwaltschaft daher nichts sagen. Nur so viel gaben sie bekannt: Der junge Mann ist 2015 nach Deutschland eingereist. Er kam in Begleitung eines Vormundes, wohnte in Cottbus.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) und die Stadtspitze haben kurz nach Bekanntwerden der Verhaftung an die Cottbuser appelliert, Ruhe zu bewahren. "Wir wissen, dass die Herkunft des mutmaßlichen Täters Emotionen wecken wird. Ein einzelner junger Mann hat nach derzeitigem Erkenntnisstand Gastfreundschaft, Offenheit und Toleranz in Cottbus aufs Brutalste und Schändlichste missbraucht."

Daher mischt sich nach Auskunft der Stadt in die Freude über den Ermittlungserfolg auch die Sorge, dass nun alle in Cottbus lebenden Ausländer unter Generalverdacht gestellt werden.