Von Manja Wilde

Die Polizei versucht ein Verbrechen aufzuklären, das etwa 50 Jahre zurückliegt: Zwischen 1965 und 1975 wird eine Frau ermordet, sie landet in der Jauchegrube einer Altstoffannahmestelle in Fürstenwalde. 2011 werden ihre Überreste gefunden. Jetzt liegen die Analyseergebnisse vor.

Es ist August 2011, als der Besitzer eines Grundstückes in der Uferstraße in Fürstenwalde (Oder-Spree) im Garten einen grausigen Fund macht. Bei Erdarbeiten tauchen in einem alten Schacht menschliche Knochen auf. „Es handelte sich um den Überlauf für eine alte Jauchegrube. Die Grube war zugeschüttet, aber der Schacht stand noch voll Gülle“, sagt Maik Zimmermann, Leiter der Mordkommission der Polizeidirektion Ost.

Seither versucht die Polizei, das Verbrechen zu entschlüsseln. Wer war der Mensch, der vor Jahrzehnten in die Grube gestoßen wurde? Wer waren der oder die Täter? Noch sind diese Fragen ungeklärt. Darum machen die Ermittler den Fall nun erstmals öffentlich und bitten die Bevölkerung um Mithilfe. Fest steht, dass es sich bei der Toten um eine etwa 1,60 Meter große Frau handelte, die etwa 20 Jahre alt war und dunkles Haar hatte. „Wahrscheinlich war die Todesursache stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf“, sagt Zimmermann. Male an Schädelknochen führten zu diesem Schluss. Wann die Frau in den Schacht gezerrt wurde, lässt sich nicht genau feststellen. Das Bundeskriminalamt hat die Kleidung des Opfers analysiert – und den Tatzeitraum auf 1965 bis 1975 eingegrenzt. Zudem gibt es ein DNA-Profil und Phantombild von der Toten. „Bei dem Phantombild handelt es sich um eine Weichteilrekonstruktion. Aufgrund der Schädelform und von Durchschnittswerten kann es gezeichnet werden“, erklärt Zimmermann.

Warum ließen die Ermittler fast acht Jahre verstreichen, bis sie die Öffentlichkeit informierten? „Manche Untersuchungen dauern so lange“, sagt Zimmermann. „Wir haben sämtliche infrage kommenden Vermisstenfälle geprüft, mussten dafür DNA-Proben von den Familienangehörigen bekommen“, erklärt er. Etwa 90 Fälle seien im direkten DNA-Vergleich geprüft worden. Ohne positives Ergebnis. Mysteriös ist auch, dass die Frau offenbar nie vermisst gemeldet wurde.

Hinweise auf Täter und Opfer erhoffen sich die Ermittler vom Fundort der Leiche. Der zwei bis drei Meter tiefe Schacht und die Jauchegrube gehörten zu einer Sekundärrohstoff-Annahmestelle (Sero). „Der Täter muss eine gewisse Ortskenntnis gehabt haben“, sagt Zimmermann.

Das vermutet auch Peter Richter. Der heute 75-jährige Fürstenwalder leitete die Sero-Station von 1964/65 bis 1975 und zeigte den Ermittlern 2011 das Gelände. „Der Schacht gehörte zu einer Toilettenanlage, zwei Toiletten für Damen und zwei für Herren gab es dort“, erinnert sich Richter. Etwa vier mal sechs Meter sei das Gebäude groß gewesen. Und da die Grube, die sich direkt darunter befand, etwa genauso groß war, sei sie äußerst selten voll gewesen. „In der ganzen Zeit, in der ich dort war, ist sie vielleicht ein Mal geleert worden“, denkt Richter zurück. Der gemauerte Überlaufschacht sei mit Betonplatten verschlossen gewesen, mindestens zwei starke Männer oder einen Gabelstapler habe man gebraucht, um ihn zu öffnen.

Etwa 25 Menschen, schätzt Richter, arbeiteten in der Sero-Stelle unter seiner Leitung. Etliche Kraftfahrer, Beifahrer und Frauen, die die Altstoffe sortierten, gehörten dazu. „Außerdem konnte auf das Gelände jeder rauf, von der Spreeseite kamen oft die Russen mit ihren Booten rüber“, sagt der Fürstenwalder.

Die Polizei bittet nun um Hinweise, um den Mord doch noch aufklären zu können. „Wir suchen weitere Mitarbeiter der Annahmestelle, auch Aushilfen“, sagt Zimmermann. Menschen, die Hinweise zu der Frau auf dem Phantombild geben können, werden ebenfalls gebeten, sich zu melden.

Hinweise nimmt die Polizei in Fürstenwalde entgegen. Telefon: 03361 5680