Für das Gesamtjahr wurden im Freistaat laut der jüngsten Kriminalitätsstatistik, die Sachsens Innenminister Markus Ulbig gestern vorgelegt hat. 314 861 Straftaten registriert, 12 335 weniger als 2014. Aufgeklärt werden konnten 55,7 Prozent der Straftaten (2014: 54,8 Prozent).

Die Wohnungseinbrüche stiegen um rund zehn Prozent, während Autodiebstahl, Rauschgiftkriminalität oder auch Grenzkriminalität rückläufig sind. Aber selbst in einzelnen Kriminalitätsfeldern gibt es unterschiedliche Entwicklungen. In Grenznähe nahm der Kfz-Diebstahl leicht zu, und Leipzig löste Dresden als Hochburg des Autoklaus ab. Sachsen hat 2015 einen deutlichen Anstieg politisch motivierter Kriminalität erlebt. Die Zahl der Straftaten stieg auf 4078 Fälle - rund 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor, gab Innenminister Ulbig in Dresden bekannt.

"Die Zunahme der Fälle resultiert maßgeblich aus Straftaten mit Bezug zum Thema Asyl und geht mit einer starken Polarisierung zwischen Asylgegnern und Asylbefürwortern einher." Für 60 Prozent der Straftaten werden Rechtsextreme verantwortlich gemacht. Hier stiegen die Fallzahlen von 1740 auf 2415. Linksextreme stehen mit 1058 Fällen zu Buche, 207 mehr als 2014. Laut Ulbig ist vor allem die Zunahme der Gewaltkriminalität um mehr als 50 Prozent besorgniserregend.

Erstmals gibt die Jahresstatistik Auskunft über die Straftaten von Flüchtlingen. Hier gilt, was Ulbig bereits im Herbst sagte: Eine vergleichsweise kleine Gruppe von Flüchtlingen ist für eine große Anzahl von Straftaten verantwortlich und bringt damit Migranten insgesamt in Misskredit.

Vor allem Nordafrikaner geraten immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. So liegt der Anteil der Tunesier an allen Zuwanderern zwar nur bei 2,2 Prozent, zugleich stammen aber mehr als 20 Prozent aller tatverdächtigen Flüchtlinge aus dem afrikanischen Land. Auch bei Migranten aus Algerien, Marokko, Libyen und Georgien ist der Anteil von Straftätern unverhältnismäßig hoch. Ganz anders sieht es bei Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak aus.

Ulbig warnte davor, Flüchtlinge unter einen Generalverdacht zu stellen. 6,7 Prozent der Zuwanderer seien straffällig geworden, 93,3 Prozent aber nicht. Experten verweisen darauf, dass überproportional viele Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren nach Deutschland kommen. In dieser Altersgruppe würden weltweit überproportional viele Straftaten verübt. Neben Ladendiebstahl spielt bei Flüchtlingen auch Schwarzfahren eine Rolle.

Ulbig tritt dafür ein, ihnen personalisierte Tickets für Bahn und Bus zu geben und dafür einen Taschengeldteil zu verwenden. Damit lasse sich Schwarzfahren vermeiden.