Von Martin Stralau


Ein Einsatz in Herzfelde am 22. Januar hätte für die Polizei nicht besser laufen können. Dank eines umsichtigen Paares und eines Helikopters konnte sie vier Einbrecher – vermutlich Serientäter – nahezu auf frischer Tat ertappen. Doch kurze Zeit später sind sie schon wieder auf freiem Fuß.

Den Abend des 22. Januar werden Johann Bernhard Meintrup und seine Freundin nie vergessen. Gegen halb zehn hören sie Geräusche. Sie eilen zum Fenster und blicken auf das Feld hinter ihrem Haus, das im Herzfelder Gewerbegebiet in der Möllenstraße steht. Der Land- und Forstwirt hält eine Wärmebildkamera in den Händen. Er sieht Bewegungen. „Wir müssen raus aus dem Licht“, sagt er zu seiner Freundin. Sie verlassen den Raum, holen Nachtsichtgeräte, die sie als Jäger griffbereit haben, und schleichen in einen anderen Teil des Hauses. Draußen leuchtet der Vollmond. „Wir sahen vier Gestalten, die von rechts nach links über den Acker laufen. Wie eine Wandergruppe“, erinnert sie sich. Ihrem Freund ist sofort klar: „Die beklauen uns.“ Das Ziel der Männer: die vom Haus etwa 100 Meter abseits gelegene Firmenwerkstatt.

Meintrup ruft die Polizei. Er ist aufgeregt, übergibt den Hörer an seine Freundin. Die erklärt einer Polizistin die Situation, während ihr Freund den Dieben dank Nachtsichtgerät direkt in die Gesichter schaut. Später kann er sie der Polizei deswegen genau beschreiben. Die Polizistin am Telefon beruhigt seine Freundin, erklärt, dass mehrere Streifenwagen unterwegs sind, und sagt: „Sie müssten gleich etwas hören.“ – „Dann stand der Helikopter am Himmel“, sagt Meintrups Freundin.

Nun geht alles sehr schnell. Zwei Männer werden direkt in der Möllenstraße gefasst, die anderen beiden kurze Zeit später in der Herzfelder/Ecke Rüdersdorfer Straße. Dorthin sind sie mit einem von zwei am Feldrand stehenden, nicht zugelassenen Fluchtautos gefahren, haben eine Schranke gerammt und sich auf einem Privatgrundstück versteckt. Dank Helikopter, ausgestattet mit Scheinwerfer, Video- und Infrarotkamera, werden sie aufgespürt.

Bis tief in die Nacht sichert die Polizei mit großem Aufwand rund um das Haus und die Werkstatt Spuren, befragt die beiden Zeugen und die vier Männer – und nimmt Letztere vorläufig fest. Die Scheiben des Werkstatt-Rolltores sind eingeschlagen, eine Metalltür ist beschädigt. „In der Werkstatt hatten sich die Täter schon Gerätschaften zurechtgelegt. Sie wollten in Ruhe alles ausräumen“, sagt Meintrup angesichts der Lage der Dinge.

Sie stahlen unter anderem einen Hochdruckreiniger sowie eine Kapp- und Gehrungssäge. Auf dem Feld wird am nächsten Tag weiteres Diebesgut gefunden und sichergestellt: darunter Kettensägen, Freischneider, Bohrmaschinen, Akkuschrauber. Außerdem liegt dort eine Sporttasche mit einem roten Kuhfuß, der als Einbruchswerkzeug diente. Seine Farbe klebte an der Metalltür. Er soll schon in anderen Fällen zum Einsatz gekommen sein.

„In Herzfelder und Hennickendorfer Firmen wird ständig eingebrochen“, sagt Meintrup. „Ich bin nach dem Vorfall von mehreren Gewerbetreibenden angerufen worden. Alle haben sich gefreut, dass das jetzt ein Ende hat.“ Auch die Polizisten, die bei ihnen am nächsten Tag am Wohnzimmertisch saßen, hätten über den Erfolg gestrahlt.

Der währte allerdings nicht lange. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) sei der Haftanregung der Polizei nicht gefolgt, erklärt Polizeisprecher Stefan Möhwald. Die vier vorläufig festgenommenen serbischen Staatsbürger im Alter von 32 bis 35 Jahren seien einen Tag später wieder entlassen worden.

Laut Strafprozessordnung hätten die Männer bis null Uhr zum Folgetag des Einbruchs dem Haftrichter beim zuständigen Amtsgericht in Strausberg vorgeführt werden müssen. Grundlage dafür wäre aber ein Okay der Staatsanwaltschaft gewesen. Der Richter hätte dann den Haftbefehl ablehnen, erlassen oder außer Vollzug setzen können. Letzteres ist in der Regel mit Auflagen verbunden. „Da dringender Tatverdacht lediglich für eine Tat – den Einbruchsdiebstahl bei der Firmen-Werkstatt – vorlag, wurde hier im Hinblick auf die Schadenshöhe aus Gründen der Verhältnismäßigkeit kein Haftantrag gestellt“, erklärt Ingo Kechichian, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls seien dringender Tatverdacht, ein Haftgrund wie Fluchtgefahr, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr und die Verhältnismäßigkeit der Inhaftierung.

Die Polizei sieht dem Vernehmen nach gleich mehrere Haftgründe: die Fluchtgefahr, die Höhe der Straferwartung, bandenmäßiges Vorgehen, hohe kriminelle Energie. Dort wird davon ausgegangen, dass die Männer für mehrere gleichgelagerte Taten in den vergangenen Monaten im Raum Strausberg in Frage kommen. Spuren von dem in Herzfelde verwendeten Einbruchswerkzeug seien an mehreren Tatorten gefunden worden. Die Auswertung dauere an. Der Einsatz und die Zusammenarbeit mit den Einbruchsopfern seien „bilderbuchhaft“ gelaufen. Der Fall spiegele den zum Teil frustrierenden Polizeialltag wider. Man mache die Arbeit, und die Täter würden freigelassen.

Kechichian bestätigt, dass derzeit die Spuren aus früheren Taten mit denen der aktuellen verglichen werden. Alle Beschuldigten seien nach den bisherigen Erkenntnissen strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Einer sei in Berlin, die Restlichen in Serbien wohnhaft. „Sie haben einen Zustellungsbevollmächtigten benannt. Auflagen wurden ihnen nicht erteilt“, sagt Kechichian.

Würde den Tätern eine Beteiligung an den anderen Einbrüchen nachgewiesen werden, so müssten sie sich in einem späteren Prozess auch hierfür verantworten, sagt Kechichian. „Da sie über ihre Zustellungsbevollmächtigten zur Hauptverhandlung vor Gericht geladen werden können, muss die Post nicht nach Serbien gesandt werden. Es ist Sache der Beschuldigten, sich regelmäßig mit ihren Bevollmächtigten in Verbindung zu setzen.“

Würden sie vor Gericht unentschuldigt nicht erscheinen, könne Haftbefehl gegen sie erlassen werden. Mit diesem könne mithilfe des europäischen Haftbefehls in der EU nach ihnen gefahndet werden. Zudem könne ein Auslieferungsersuchen an Serbien gestellt werden, das nicht Teil der EU ist.

Johann Bernhard Meintrup kann über den aktuellen Sachstand in diesem Fall nur den Kopf schütteln. Den beim Einbruchsversuch entstandenen Sachschaden schätzt auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Seine Freundin und er fühlen sich hilflos. „Ist das eigentlich noch der Rechtsstaat, der den Menschen Sicherheit geben soll?“, fragen sie sich. Von der Polizei hätten sie sich sehr gut betreut gefühlt. „Für sie tut es mir wirklich leid, dass der Einsatz nicht zu einem nachhaltigen Erfolg geführt hat“, sagt Meintrup.