(dpa/roe) Im Prozess um die tödliche Messerattacke vom August 2018 in Chemnitz hat der Hauptbelastungszeuge erneut ausgesagt. Bei der Befragung am Montag machte der Mann ein weiteres Mal Erinnerungslücken geltend.

Vor Gericht in Dresden gab der 30-Jährige aus dem Libanon an, dass nach der Tat zwei Männer mit blutigen Händen in den Dönerladen direkt am Tatort kamen, in dem er damals als Koch arbeitete. Allerdings nannte er andere Namen als die des Angeklagten und des noch flüchtigen zweiten Tatverdächtigen aus dem Irak. Der 30-Jährige befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm und wurde von drei Personenschützern und einem Rechtsbeistand in den Saal begleitet. Auch drei andere Zeugen zuvor konnten keine Angaben zum damaligen Geschehen machen. Ein 23-Jähriger aus Afghanistan sagte, er habe nur die Leiche und Blutspuren gesehen.

In dem seit Mitte März laufenden und aus Sicherheitsgründen in einen Saal des Oberlandesgerichts Dresden verlegten Prozess am Landgericht Chemnitz ist ein Syrer wegen Totschlags angeklagt. Der 23-Jährige soll zusammen mit dem weltweit gesuchten Iraker nach dem Stadtfest einen 35 Jahre alten Deutschen erstochen haben. Nach der Tat war es zu fremdenfeindlichen Übergriffen, rechten Demonstrationen sowie zu Anschlägen auf ausländische Restaurants in der Stadt gekommen.

In früheren Vernehmungen hatte er ursprünglich gar nicht aussagen wollen, dann teils unterschiedliche Angaben zum Tatablauf gemacht, sich an viele Dinge nicht mehr erinnern können und von Morddrohungen berichtet. Die Verteidigung, die seine Glaubwürdigkeit erschüttern wollte, zweifelt am Bedrohungsszenario. Anwältin Katja Lang sprach von „ambivalentem Aussageverhalten“ und sagte, der Beweiswert der Aussagen gehe „gegen null“.

Auch die zuvor befragten Zeugen hatten das Geschehen nicht selbst verfolgt. Sie seien keine Augenzeugen, sagten sie vor Gericht. Ein junger Afghane gab zu Protokoll, dass alle Beteiligten betrunken gewesen seien.