Dieexplosiven Objekte von Eduard Herbst hingegen finden sich wederauf Trödelmärkten noch auf Tauschbörsen. Der 53-Jährige hat inden vergangenen Jahren 25 Raketen zusammengetragen und will diesejetzt in einem Museum zeigen. "Natürlich ohne Sprengstoff undZünder", versichert Herbst.
Seine ungewöhnliche Sammelleidenschaft kommt nicht von ungefähr.Herbst ist Geschäftsführer der Munitionsentsorgungsfirma NammoBuck im uckermärkischen Pinnow. In dem Betrieb auf einemeinstigen Rüstungsgelände werden ausrangierte Raketen, Bomben,Granaten und Minen aus der ganzen Welt entschärft - amerikanischeClusterbomben und Leuchtspurmunition, Schweizer Panzerminen,belgische Anti-Personen-Minen. "Das hochexplosive Materialbekommen wir überwiegend von der Bundeswehr und der Nato. AuchKriegsmittel haben ein Verfallsdatum", erklärt derGeschäftsführer, dessen Firmengelände sozusagen bombensicherangelegt wurde und für Außenstehende durchaus beklemmend wirkt.Die Wände der Demontagebunker sind einen Meter dick, die Gängefensterlos. Die technischen Anlagen zum "Auseinandernehmen" der10 000 Tonnen Munition jährlich lassen sich erst einschalten,wenn die Drucktüren von außen geschlossen sind.
Ohnehin lässt sich das Unternehmen nur bedingt in die Kartenschauen. "Unser Know-how ist im internationalen Vergleichkonkurrenzlos. Und das soll auch so bleiben", meint derGeschäftsführer. Betriebsfremde dürfen ohne Begleitung keinenSchritt tun.
Beeindruckt zeigt sich der Besucher nicht nur angesichts desSicherheitsstandard, sondern auch bei der Vorstellung, dass aufdem waldumrandeten Gelände noch in den 80er-Jahren unterstrengster Geheimhaltung Panzerabwehrraketen sowjetischer Bauarthergestellt wurden. Schon die deutsche Wehrmacht hatte hier einMunitionswerk errichtet. Nach dem II. Weltkrieg wurden in Pinnowzunächst Raketen und Radarsysteme aus dem Ostblockinstandgesetzt. Den Betrieb suchte man vergeblich auf derLandkarte. Die Spezialität der heute 70 Mitarbeiter in Pinnow istdie Entsorgung von Raketen. Fast alle Exemplare der ehemaligenNationalen Volksarmee (NVA) wurden hier in ihre Bestandteilezerlegt. "Darunter die größte Luftabwehrrakete der Welt, die SA-5oder die verbreitetste osteuropäische Standard-FlugabwehrraketeSA-2", erzählt Herbst.
Zur Demontage der NVA-Munition war die Firma nach der Wende alsBuck Inpar GmbH mit 500 Arbeitskräften gegründet worden. Als dieDDR-Reserven aufgebraucht waren und es an Nachschub fehlte, gingden damaligen Betreibern die wirtschaftliche Puste aus.
Das skandinavische Unternehmen Nammo As mit Sitz im norwegischenRaufoss rettete den Betrieb vor vier Jahren vor dem endgültigenAus. Veraltete Waffen oder Munition, die nicht mehr denSicherheitsstandards entspricht, gibt es schließlich noch immer.Da treffen die Pinnower Spezialisten auch auf "alte Bekannte".SA-2-Raketen gibt es in den Ländern des ehemaligen WarschauerPaktes noch immer. "Mit der EU- und Nato-Erweiterung müssen dieseArsenale bei unseren östlichen Nachbarn durch neue Systemeersetzt werden", erklärt der Geschäftsführer, dessen Angaben nachauch asiatische Staaten wie Thailand und Singapur bereitsInteresse an der Entsorgung ihrer veralteten Waffenarsenaleangemeldet haben.
Der unschädlich gemachte Schrott ist für Herbst zu schade zumWegwerfen. Er glaubt, dass interessierte Zeitgenossen diverseRaketen-Variationen gern einmal aus der Nähe betrachten würden.Aufs Firmengelände dürfen sie aus Sicherheitsgründen jedochnicht. Deshalb sucht Herbst zusammen mit der Gemeinde Pinnow nacheinem geeigneten Gebäude.