Triumphale Untertöne verkniff sich der US-Präsident, als er das weitgehende Ende der Kampfphase im Irak verkündete. Die Symbolik an Bord des FLugzeugträgers, der nach neun Monaten Einsatz am Persischen Golf mit voller Kraft gen Heimat fuhr, war dennoch deutlich: Der oberste Befehlshaber persönlich bringt die siegreichen Truppen nach glorreichem Kriegseinsatz zurück. "Mission erfüllt" stand auf einem Banner an der Kommandobrücke des Kriegsschiffes.

Siegeserklärung vermieden
Eine Siegeserklärung hat Bush bewusst vermieden. Der militärische Teil des Unternehmens "Regimewechsel im Irak", der die US-Politik beherrscht und die Welt gespalten hat, ist zwar so gut wie vorbei. Doch Bush weiß, dass die schwierigste Phase im Irak mit dem militärischen Erfolg vielleicht erst begonnen hat.
Die lautstarken anti-amerikanischen Demonstrationen in zahlreichen irakischen Städten machen Regierungsbeamte in Washington nervös. Das sei ganz normal, wenn Menschen erstmals nach 30 Jahren ihre Meinung sagen dürften, beschwichtigt Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Doch viele halten ein bisschen mehr Dankbarkeit für die Befreiung von einem Diktator durchaus für angebracht.
Auch an der Front der Kriegsgegner unter den Verbündeten der USA ist der Frieden noch nicht gewonnen. Mit der Erklärung, dass die Kampfphase vorbei ist, will Bush auch zu jenen Brücken schlagen, die den Krieg nicht gewollt haben. Der Wiederaufbau soll mit Hilfe der humanitären Organisationen eine Gemeinschaftsleistung werden. Die US-Regierung ist sich im Klaren, dass das Misstrauen gegenüber den amerikanischen Absichten im Irak, aber auch in vielen Nachbarländern tief sitzt. Sie ist gegen Angriffe und Anfeindungen im Irak gewappnet. Bush hat deshalb auch ganz bewusst nicht offiziell das Kriegsende verkündet. Das würde den Sieger nach den Genfer Konventionen verpflichten, die Kriegsgefangenen unverzüglich freizulassen und die Suche nach Anführern des feindlichen Regimes einzustellen. Im Kampf gegen den Terrorismus wollen sich die Amerikaner aber nicht allzu früh die Hände binden lassen.
Dass die US-Regierung den Irak-Krieg als Schlacht in diesem Kampf verstanden wissen wollen, machte der Präsident noch einmal deutlich. "Die Befreiung des Irak ist ein entscheidender Fortschritt im Kampf gegen den Terror. Wir haben einen Verbündeten des Al-Qaida-Netzwerks beseitigt", sagte der Präsident, obwohl die US-Regierung den Beweis für die Terroristenverbindung des Saddam-Regimes bis heute schuldig geblieben ist.
Bei den US-Wählern zeigt die Botschaft dennoch Wirkung. Eine Verbindung zwischen Saddam und den Terroranschlägen wird praktisch nicht in Frage gestellt. Dreiviertel finden, dass Bush den Anti-Terrorkampf und den Irak-Krieg gut gemeistert hat.

Mächtige Munition im Wahlkampf
Das Weiße Haus hat den Auftritt auf dem Flugzeugträger mit kühlem Kalkül geplant. Die Bilder eines Präsidenten in voller Kampfpilotmontur im Kreis siegreicher Soldaten gelten als mächtige Wahlkampfmunition. In der Zwischenzeit soll das erklärte Kampf-Ende den Amerikanern auch signalisieren, dass der Präsident sich nun wieder mehr den heimischen Problemen widmet, der lahmenden Wirtschaft etwa. Die steht bei allem Schock über die Terroranschläge bei den meisten Amerikanern noch immer an erster Stelle der Sorgenliste.