Nichtwenige lässt das Pentagon selbst produzieren. "Eine moderne Artder Propaganda", so sehen es Experten wie Joachim Buttler von derHamburger Forschungsstelle für Politische Ikonographie.Um dies zuerreichen, setzen die USA auf eine massive Überzeugungskampagneund verstärken den Druck auf die Sicherheitsratsmitglieder.
Vor allem die Staats- und Regierungschefs der als unsichereKandidaten eingestuften Sicherheitsratsmitglieder Angola, Guinea,Kamerun, Mexiko, Chile und Pakistan müssen in den kommenden Tagenmit Anrufen von Vizepräsident Dick Cheney, Außenminister ColinPowell oder Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice rechnen. Dieals die "mittleren Sechs" bezeichneten Ratsmitglieder sollen dieneun Stimmen bringen, die für eine Annahme der Resolution nötigsind.
Ganz bewusst setzt Bush dabei auch auf den spanischenRegierungschef José María Aznar. Nach einem Treffen auf BushsRanch in Texas machten jetzt beide Politiker klar, dass Spanienam Wortlaut des Entwurfs mitgewirkt hat. Damit hofft Bush, dietraditionellen Verbündeten Spaniens - Mexiko und Chile -überzeugen zu können. Bush bat Aznar zudem, sich bei LibyensRevolutionsführer Muammar el Gaddafi und dem ägyptischenPräsidenten Husni Mubarak für eine Unterstützung seinesIrak-Kurses einzusetzen.
Bisher unterstützen neben den USA nur Großbritannien, Bulgarienund Spanien die Resolution. Nach Ansicht von Beobachtern habendie USA und Großbritannien es fast aufgegeben, die Zustimmungaller 15 Sicherheitsratsmitglieder zu erhalten. So rechne niemandmit einer Zustimmung Deutschlands oder Frankreichs. Allerdingshofften die US-Diplomaten, dass sie bei den Veto-MächtenFrankreich, Russland und China zumindest eine Enthaltungerreichen können.
Um ihren Entwurf für möglichst viele Wackelkandidaten nochattraktiv zu machen, hatten amerikanische und britischeDiplomaten laut "New York Times" seit Wochen am Text gefeilt.Deshalb habe sich die Vorlage immer wieder bis diese Wocheverzögert.
Trotz aller Bedenken sei das Weiße Haus aber im Gegensatz zu nochvor einigen Wochen jetzt davon überzeugt, dass es besser sei, dieZustimmung des Sicherheitsrates zu haben - auch wenn nur neunoder zehn Mitglieder die Resolution befürworten -, als isoliertzu wirken. Dies reiche dem Weißen Haus aus, um den Eindruck einerUnterstützung durch die Weltgemeinschaft zu vermitteln, erklärtenBeobachter.
Zugleich machte Bush aber am Samstag erneut klar, dass die USAnotfalls auch ohne erneute Zustimmung der Vereinten Nationenhandeln werden. Die Uhr ticke, und die kommenden Wochen seien dieletzte Chance für den Sicherheitsrat, seine Bedeutung zubeweisen. An die Adresse Saddam Husseins gewandt, machte er klar,dass Bagdad nur noch wenige Wochen bleiben, die Resolutionen vollzu erfüllen.