Klare Botschaften gehen in diesen Tagen von Anti-Kriegs-Demons-tranten in Deutschland aus.Auch viele, die nicht demons- trieren, berührt das ferne Kriegsgeschehen tief. Nach den Ergebnissen einer Umfrage des Münchner Meinungsforschungsinstituts polis sehen nur drei Prozent der Deutschen ihr Leben in keiner Weise durch den Irak-Krieg beeinflusst. In der Generation über 60 fühlen sich sogar 18 Prozent in ihrem Alltag komplett davon bestimmt.

Jeder dritte Schüler protestiert
Feiern, Urlaubsreisen oder Konsum - vieles findet derzeit im Schatten des Krieges statt. Bei der Fahrt in den Supermarkt hören die Menschen von den neuesten Entwicklungen an der Front im Autoradio. Über Minibildschirme in der U-Bahn und Großleinwände auf Bahnhöfen flimmern Schlagzeilen über Verwundete und Tote. 87 Prozent verfolgen die Kriegsberichterstattung aus dem Irak nach den polis-Ergebnissen "regelmäßig". Täglich malen Schüler Peace-Zeichen, basteln Plakate und versammeln sich vor allem junge Leute zu Zehntausenden gegen den Krieg auf der Straße. 15 Prozent aller Menschen in Deutschland und sogar 34 Prozent aller 14- bis 19-Jährigen gehen nach eigenen Angaben auf Demonstrationen, wie auch an diesem Wochenende.
Bei vielen Älteren werden Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wach. "Das ist ein ständiges Thema", bestätigt Walter Etzel, Leiter der Altenbegegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Stuttgart-Bad Cannstatt. "Ob beim Gedächtnistraining, beim Tanznachmittag oder an unserer Theke - die Leute sprechen darüber." In Gesprächen wenden sich viele gegen den Kriegskurs von US-Präsident Bush - "auch eher konservative Senioren", sagt Etzel. Doch die Stimmung in den Gesprächskreisen mit den Alten sei nicht aufgebracht, sondern eher gedämpft. "Die Leute erleben jene Ohnmacht wieder, die sie gehabt haben, als die Bomben in Deutschland fielen", sagt Etzel.
Wer eine Urlaubsreise nach Amerika oder gar in den Nahen Osten gebucht hat, überlegt zweimal, ob er wirklich fliegen soll. Reisebüros berichten, dass der Krieg vorerst den Aufwind des USA-Tourismus wegen des günstigen Dollar-Kurses stoppte. 41 Prozent der Deutschen haben einer Umfrage des Europäischen Tourismus Instituts zufolge Angst vor Anschlägen im Urlaub. Neun Prozent gehen laut polis-Umfrage weniger häufig aus. In Berlin haben einige Wirte ihre Coca-Cola-Zapfhähne gesperrt.

Fachbücher gefragter denn je
Warum musste es so weit kommen„ Was steckt dahinter“ In Buchhandlungen suchen Menschen den Weg zum Sachbuchregal. Bücher wie "Bush at War - Amerika im Krieg" von Bob Woodward oder "Weltmacht USA - Ein Nachruf" von Emmanuel Todd sind zu Verkaufsschlagern geworden. "Täglich erscheint ein neues Buch zum Thema", sagt Uta Cricchio, Buchhändlerin in der Hamburger Innenstadt.
Doch je länger der Krieg dauert, desto mehr werden vielen die Berichte von Luftangriffen und kämpfender Infanterie, von Soldaten und ihren Opfern, von Politikern und Experten auch zu viel. Zuletzt waren 46 Prozent der Deutschen laut Emnid der Meinung, das Fernsehen zeige "zu viel" über den Irak-Krieg. Für 48 Prozent war es dagegen "gerade richtig" oder sogar "zu wenig". 83 Prozent der Befragten einer dimap-Umfrage sind gegen den Krieg.